Eine Warnung vorweg: Leute, die nicht so gerne im Mittelpunkt des Interesses stehen wollen, sollten einen großen Bogen um den BMW CE 04 Scooter machen.

Egal wo man damit auftaucht, nicht nur die Blicke der Passanten sind einem sicher – auch die Chance viral auf Insta & Co ordentlich zu performen ist immens. Dann nach den Blicken folgt meistens der Griff zum Smartphone und der entstandene Content ist schneller in den sozialen Medien, wie der CE 04 auf Hundert.

Überraschend ist das nicht. Die – sagen wir mal – gewagte Form des neuen BMW Großrollers sorgt auch jetzt nach mehreren Monaten am Markt noch für Diskussionen. Das Ding wirkt eher wie eine Designstudie und wir rechnen es BMW hoch an, diese Form so auch in Serie zu bringen. Da gehört auch jede Menge Mut und vor allem Selbstvertrauen dazu.

Es ist gar nicht so einfach, dieses Motorrad zu beschreiben – wo soll man da bloß anfangen?

Das Layout eines klassischen Rollers haben wir da mal definitiv nicht vor uns. Da wäre einmal die flache, scheinbar schwebende Sitzbank, die zwar unbequem wie ein Bügelbrett aussieht, es aber beim Draufsetzen gar nicht ist und optional sogar beheizbar ist. Es fehlt ihr lediglich ein wenig an Halt, vor allem wenn man mal wieder im Dynamic-Modus beim Lustig-sein nach hinten wegrutscht, weil die Fliehkräfte über einen herfallen. Versteifende Körperspannung hilft da sehr und irgendwann gewöhnt man sich dran.

Dann wäre da noch ein seitlich aufklappbares Staufach für den (Jet-) Helm und das irgendwie optisch frei im Raum schwebende Vollscheiben-Hinterrad. Einen rollertypischen Durchstieg hinterm Beinschild gibt´s gleich gar nicht – der CE 04 bricht wirklich mit jederart Rollerschema. Der Radstand misst nahezu 1,7 Meter – das sind satte 30 Zentimeter mehr als bei einer 300er Vespa und gut acht Zentimeter mehr als beim Vorgänger BMW C Evolution.

Insgesamt wirkt der CE 04 wie aus einem dieser Science Fiction Filme entstiegen – Tron Legacy, Blade Runner, Star Wars oder wie sie alle so heißen. Vergleichbar auch mit … eigentlich gar nix. Konkurrenz gibt´s im Ressort der elektrischen Maxiscooter nämlich (noch) gar keine und auch der BMW Vorgänger C-Evolution ist stilistisch meilenweit von diesem Block auf Rädern entfernt.

Gestartet wird der BMW CE 04 (no na) keyless. Wer da an das Drehen eines herkömmlichen Zündschlüssel denkt, der ist hier im falschen Film. Links unterm Lenker findet das Smartphone im gekühlten Fach seinen Platz – es kann natürlich mit dem CE 04 jederzeit gepairt werden. Rechts befindet sich das Ladefach für den Typ-2-Stecker.

Alle nötigen Infos werden auf einem 10,25 Zoll großen TFT-Display präsentiert. Dabei kann man die Anzeige splitten, sich zum Beispiel auf der rechten Seite die Routenführung anzeigen lassen und links Geschwindigkeit beziehungsweise den Energiefluss. Ganz wie man will. Bedient wird das Ganze über den bekannten BMW Multi-Controller links am Lenker. Drehen, drücken, fertig. BMW Fahrer kennen das.

Beim Losfahren muss man zuerst ein paar Dinge beachten: Zum Starten muss immer der linke Handbremshebel gezogen werden. Nur dann erfolgt über den Startschieber rechts die Startberechtigung – es erscheint am Display grün das kleine Wort „Ready“. Jetzt wird´s einfacher und somit auch wieder ein bissl Roller-artiger: Ein kurzer Dreh mit dem rechten Handgelenk – kein Kuppeln, kein Schalten – einfach ab geht´s durch die Mitte mit leichtem E-Motor-Surren.

2,6 Sekunden auf Fünfzig, 9,1 Sekunden auf Hundert, 120 km/h Spitze.

Die Fahrleistungen sind überaus ordentlich für ein eigentlich urbanes Fahrzeug. Vor allem der „Dynamic“-Modus beschleunigt den BMW CE 04 derart brachial, dass einem schnell mal schwindlig werden könnte – vor allem der Beifahrer leidet Höllenqualen, wenn es dem Fahrer gefällt. Das liegt vor allem an der Lautlosigkeit.

Assoziationen zu den oben genannten SF-Filmen flammen wieder auf. Man sitzt auf seinem CE 04 und surft mit lockeren Spurwechseln meistens mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss zwischen den langsameren Autos durch – irgendwie wie bei Star Wars. Der lange Radstand sowie der tiefe Schwerpunkt fördert dabei die Stabilität, nimmt dem Scooter aber trotzdem kaum Handlichkeit.

Wie in der Elektromobilität üblich, gibt´s auch beim BMW CE 04 verschiedene Fahrmodi zur Auswahl: Rain, Road, Eco und als Option Dynamic. Eco und Dynamic rekuperieren besonders stark. Bremsen ist hier nahezu überflüssig. Man kennt das unter E-Mobilisten als One-Pedal-Driving. Je nach Modus variiert klarerweise die Reichweite.

Wenn man so ein Gerät nur für eine Woche zur Verfügung hat, bewegt man sich klarerweise meistens im lustigen Bereich, sprich in Dynamic-Modus. Nach rund 70 resch gefahrenen Testkilometern zeigte die Reichweitenanzeige unseres CE 04 Testgeräts noch 50 Kilometer an, was in etwa der Werksangabe entspricht. Im normalen Alltag – also wenn man sich die Hörner ein wenig abgestoßen hat, sollten gute 130 Kilometer Reichweite möglich und auch ausreichend sein – im urbanen Gebiet wahrscheinlich auch ein wenig mehr.

Ein Manko teilt sich auch der BMW CE 04 mit anderen Elektrofahrzeugen: Er ist schwer. Stolze 230 Kilo wiegt das Bröckerl. Deswegen hilft beim Rangieren auch ein Rückwärtsgang. Der flache 8,9 kWh-Akku aus BMW-eigener Fertigung befindet sich im unteren Fahrzeugbereich. Das sorgt für einen tiefen Schwerpunkt und damit tolles Handling. In viereinhalb Stunden ist die Batterie an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose (10A) wieder auf Hundert. Mit dem optionalen Schnellladegerät (EUR 858,-) mit 6,9 kW statt 2,3 KW Ladeleistung dauert das Laden von 20 auf 80 Prozent knapp 50 Minuten.

Unser Tipp: Wer viel in der Nacht unterwegs ist, sollte ins Dynamik-Paket (EUR 384,-) investieren: Es beinhaltet neben dem Dynamic-Fahrmodus auch ein tolles adaptives Kurvenlicht, Kurven-ABS und ein spezielles Tagfahrlicht.

Wie bei BMW üblich kann man sich auch beim CE 04 auf der Extraliste zusätzlich austoben: Hier gibt´s Heizgriffe um 222 Euro, wasserdichte Softbags, eine stylische Gepäckbrücke, ein höheres Windschild um 91 Euro und vieles mehr, wie zum Beispiel auch eine Sitzbank mit mehr Halt nach hinten (Komfortsitzbank Backrest EUR 237,-), die dann halt nicht mehr ganz so cool wie dieses Bügelbrett aussieht.

Preislich startet der CE 04 bei 12.150 Euro. Der Vorgänger C-Evolution war übrigens deutlich teurer und auch schwerer. Man entwickelt sich also in die richtige Richtung.

Daten Fakten BMW CE 04
Antrieb: Permanenterregte Synchronmaschine, flüssigkeitsgekühlt, Zahnriemen
Nenndauerleistung: 15 kW (20 PS)
Maximalleistung: 31 kW (42 PS)
Drehmoment: 62 Nm bei 1500 U/min
Vmax: 120 km/h (abgeregelt)
0-100 km/h: 9,1 Sek.
Normreichweite: 130 km
Preis: ab EUR 12.150,-

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You May Also Like

Weil ich kein Mädchen bin.

Nach dem Switch auf Sport verwandelt sich das Mini Cooper S Cabrio zu einem durchaus hart zu fahrenden Sportler.

Vom Baby-Benz zur Baby-S-Klasse

Auch wenn der Dieselmotor immer mehr an Bedeutung verliert, so passt er einfach perfekt in diesen Mercedes C 220d. Kaufempfehlung!

VW Tiguan Allspace – die fixe Größe im Programm 

Der VW Tiguan ist nicht umsonst ein äußerst beliebtes SUV – als Allspace wird er fast schon zur Minivan-Alternative.

Zwei zum Pferdestehlen.

Wir hatten jetzt zwei höchst interessante Motorroller bei uns im Fuhrpark – den Peugeot Metropolis 400i SW sowie den kultigen Django 125 Sport.