Alle reden von Elektromobilität und sportliche Kompaktwagen mit Verbrennungsmotoren sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Der Ford Focus ST hält nach wie vor die dynamische Fahne hoch.

Was bisher geschah: 2022 erhielt der Ford Focus ein Facelift. Überarbeitet wurde die Frontpartie, die jetzt einem neuen Kühlergrill sowie LED-Scheinwerfern, beim ST serienmäßig in adaptiver Matrix-Technik, aufweist. Darüber hinaus wurde der Innenraum mit dem 12,3 Toll großen Multimediasystem sowie dem neuesten Sync4-Bedienkonzept auf Vordermann gebracht. Seitdem befindet sich die Steuerung der Klimaautomatik im Touchscreen-Menü, normalerweise eher ein Minuspunkt, hier gelingt die Bedienung aber intuitiv und einfach.

Jetzt die noch bessere Nachricht: Technisch blieb beim Focus ST alles wie bisher. Nach wie vor arbeitet unter der Haube der gleiche 280 PS starke Vierzylinder-Benziner. Und von wegen Downsizing: Mit 2,3-Litern liegt der Hubraum des aufgeladenen Ecoboost-Motors eindeutig im oberen Bereich. In Verbindung mit der serienmäßigen Sechsgangbox entfaltet der bärenstarke Turbo sein maximales Drehmoment von 420 Newtonmetern schon bei 3000 Touren.

Den Aufpreis für das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, kann man sich ruhig sparen – die Handschaltung ist schlicht und ergreifend das Maß der Dinge. Außerdem schrumpft mit Automatik das Drehmoment auf 415 Newtonmeter – und wir haben ja nix zu verschenken, vor allem leistungsmäßig. Jedenfalls muss man auch handgerissen nicht auf die herzhaften Zwischengasstöße verzichten, die wirft die Schaltung automatisiert beim Runterschalten locker ins Geschehen.

Ordentlich Power gibt´s beim Ford Focus ST im Überfluss: Wer die maximale Leistung des bassig klingenden Turbos abruft, befördert den Ford in unter sechs Sekunden auf Tempo 100. Schluss mit dem vehementen Vorwärtsdrang ist erst bei 250 km/h. Der Motor hängt aus niedrigen Umdrehungen derartig bissig am Gas, dass einem ganz warm um´s Herz wird, während der Sportauspuff bollert und röhrt.

Beim Anfahren oder beim Herausbeschleunigen aus Kurven greift das elektronisch geregelte Sperrdifferential helfend ein, damit kommt die Kraft weitgehend verlustfrei auf die Straße. Auch nett: Dank der aus dem Rennsport stammenden Anti-Lag-Funktion bleiben die Drosselklappen während des Schaltens noch kurz geöffnet. Dadurch drehen die Turboladerschaufeln länger nach und sprechen direkter an. Kurzum, der Focus ST kennt kein Turboloch, er zieht gleichmäßig druckvoll durch, dass es eine Freude ist.

Überhaupt bereitet der Ford Focus ST enormen Spaß, das gilt auch fahrdynamisch. Dank fetter 235/35er-Reifen auf 19-Zoll-Felgen und dem grenzgenialen Fahrwerk samt elektronischer Dämpferregelung bietet der Ford Focus ST eine Bandbreite im Alltag, die vom gemütlichen City-Cruising bis zur Rekordjagd auf der Rennstrecke reicht.

Spätestens nach dem Druck auf die S-Taste am Sportlenkrad spannt der ST so richtig seine Muskeln und klebt verbindlicher auf dem Asphalt als so mancher Umweltaktivist.

#eslebedasauto

Passend zum leichtfüßigen Handling spricht die Lenkung im Focus direkt an, ohne aber nervös zu wirken. Wer es häufig flott angeht – und das ist wahrscheinlich öfters der Fall, wenn man so ein Auto wählt – der wird den angegebenen WLTP-Verbrauch von exakt acht Litern nicht schaffen. Bei uns lag der Testschnitt bei gut zehn Litern, im Rennstreckenmodus kann es aber auch locker über die 12-Liter-Grenze gehen.

Was uns sonst noch positiv aufgefallen ist: In wenigen Autos sitzt man dank fest zupackender Sportsitze und griffigem Lederlenkrad so perfekt ins Geschehen integriert. Und der Ford Focus ST ist eine ehrliche Haut: Was man aus dem Auspuff hört, ist die nackte Realität, da wird nichts künstlich über Soundgenerator generiert. Und das Gute ganz zum Schluss: Ford übertreibt es preislich nicht – ab fairen 48.960 Euro ist der Focus ST als Handschalter zu haben.

Daten Fakten Ford Focus ST X
Motor: 4-Zylinder Turbo-Benziner
Hubraum: 2261 ccm
Leistung: 280 PS
Drehmoment: 420 Nm bei 3000 U/min
Vmax: 250 km/h
0 – 100 km/h: 5,7 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 8,0 Liter Super
Test-Durchschnittsverbrauch: 9,8 Liter Super
Basispreis: 48.960 Euro

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