Foto: HENNING SCHEFFEN PHOTOGRAPHY

Gipfelstürmer – Raupen-Fuchs ist wieder unterwegs: T1-Unikat mit Gleiskettenantrieb nach 60 Jahren restauriert 

• Raupen-Fuchs genannter Bulli meistert als Extremkletterer auch schwieriges alpines Gelände 

• T1 mit vier Achsen – zwei lenkbare Vorderachsen und zwei Hinterachsen mit Kettenantrieb 

• Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer hat den technisch wohl ungewöhnlichsten T1 aller Zeiten neu aufgebaut 

Salzburg / Hannover, 25. Mai 2022 – Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer hat soeben ein 60 Jahre altes Unikat zurück in den Neuzustand versetzt: den Raupen-Fuchs. Im Mai 1962 wurde dieser T1 im Werk Hannover produziert und auf die Reise zu seinem Käufer nach Österreich geschickt. Nach einer kurzen Lebensphase als normaler T1 verwandelte er sich dort unter den Händen eines findigen Wiener Volkswagen Mechanikers in einen alpinen Spezialisten: Kurt Kretzner baute den Bulli zu einem T1 mit vier Achsen um – zwei davon mit einem Kettenantrieb ausgerüstet, zwei per Zwillingsreifen lenkend. Und so entstand er, der wohl geländegängigste Bulli, der jemals in den Hochgebirgen dieser Welt gesehen wurde. 

Historische Quellen sagen, er sei ein begeisterter Skifahrer gewesen. Ihm fiel auf, dass es in den Bergen Österreichs einen Mangel an hochgradig geländegängigen Transportern gab. Solche, die für Jedermann leicht zu fahren waren und doch zur höchsten Alm locker emporsteigen konnten. 

„Ein idealer Helfer für jeden: Hüttenwirt, Jäger, Förster, Arzt, Wartungspersonal von Liftanlagen, Fernseh- und Rundfunkanlagen, Pipelines und dergleichen,“ wie Kretzner später in den Verkaufsunterlagen zum Raupen-Fuchs schrieb. „Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Wagen, von dem ich träumte, nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selbst zu bauen.“ So wie es einst Ferry Porsche gesagt und getan hatte, machte es auch Kurt Kretzner. Mehr als vier Jahre konstruierte und baute der Erfinder den Gipfelstürmer. Zwei „Füchse“ entstanden wohl bis 1968, beim dritten stockte dann die Produktion. Was aber überlebte, war mindestens ein Exemplar des Raupen-Fuchs. 

Unter die orange lackierte Bulli-Karosserie hatte der Wiener Tüftler vorn eine gelenkte Doppelachse mit grobprofilierten 14-Zoll-Zwillingsreifen und hinten eine ebenfalls doppelte Achse mit Kettenantrieb gepflanzt. Die Ketten waren auf 13-Zoll-Räder montiert und eine Eigenkonstruktion aus Aluminiumelementen mit zwei Zentimeter dicken Gummiblöcken zur Rettung des Asphalts. 

Durch die doppelte Vorderachslenkung ergab sich ein Wendekreis von unter zehn Metern – fast schon die Kehre um sich selbst. Jedes Rad war mit einer Bremse ausgerüstet. Ein automatisches Sperrdifferenzial sorgte selbst im Hochschnee für gleichmäßig verteilten Vortrieb. Die Kraft dazu holte sich der T1 aus seinem serienmäßigen 25 kW/34-PS-Boxer mit 1.192 cm3 Hubraum. 35 km/h erreichte der Raupen-Fuchs und war damit nur etwas langsamer als sein Namensgeber aus der Tierwelt. 

Kurt Kretzner wollte einen Kettenwagen bauen, der sehr einfach zu steuern sein sollte. Exakt aus diesem Grund entschied sich der Mechaniker nicht für eine Lenkung über Ketten auf allen Achsen wie bei einer Planierraupe, sondern für eine Halbkette (nur auf den Antriebsachsen) und eine fast normale, wenn auch doppelt ausgeführte Vorderradlenkung. Und so bewarb der Erfinder den Raupen-Fuchs auch: „Das neue, ideale, leicht zu bedienende Raupen-Fahrzeug mit dem Sie sicher und bequem jedes schwierige Gelände meistern. Schnee, Sand, Steine, Almwiesen, Moore, kleine Bäche und Wälder können Sie mit diesem Gerät befahren.“ 

Gesehen wurde der Raupen-Fuchs über die Jahre selten. 1985 tauchte der T1 ein letztes Mal in Wien auf, bevor er Anfang der 1990er-Jahre vom Porsche-Museum Gmünd gekauft wurde. Irgendwann ging der Raupen-Fuchs dann in den Besitz der Bullikartei e.V. über – eine Gemeinschaft von Liebhabern der ersten Bulli-Generation. Sie starteten 2005 einen ersten Versuch, das hochalpine Spezialfahrzeug zu restaurieren. Doch aus logistischen Gründen der in Deutschland bundesweit verstreuten Vereinsmitglieder konnte die Restauration leider nicht vollendet werden. 

Ende 2018 kam der Raupen-Fuchs in die Sammlung von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer. Das Ziel: Der Raupen-Fuchs sollte wieder auf die Piste zurück. Unter ihrem Leitmotiv „Erinnern. Erleben. Erhalten.“ starteten die Klassik-Experten deshalb einen aufwendigen Neuaufbau. Die 60 Jahre alte Karosserie wurde, wie bei allen Werksrestaurierungen in Hannover, vom Lack befreit, instandgesetzt, KTL-beschichtet und im weitgehend originalen Orangeton neu lackiert. Mattes Orange deshalb, damit – so die Intention damals – der Raupen-Fuchs in der schneebedeckten Landschaft und unwegsamen Gelände sofort erkennbar war. 

Das Team von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer versetzte auch die Technik in den Neuzustand. Ebenso den Innenraum. Dort konnte das Team seiner Kreativität freien Lauf lassen, da es keine belastbaren Vorgaben gab. Buchen- und Kiefernhölzer wurden individuell an den Raum im Raupen-Fuchs angepasst und praktische Werkzeughalterungen installiert. Im Frühjahr 2022 war es dann endlich soweit – der Raupen-Fuchs zog wieder seine Bahnen durch den Schnee. Und zwar mit einer ungewöhnlich guten Steigfähigkeit: Nach der aufwendigen Restaurierung des Vierachsers konnte sich das Team von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer davon überzeugen, dass der Fahrer am Steilhang deutlich eher kapituliert als der Raupen-Fuchs. 

Quelle: Volkswagen Nutzfahrzeuge

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