Der Hyundai Ioniq 5 war wohl die spannendste automobile Neuerscheinung des vergangenen Jahres – wir hatten ihn über Weihnachten im Testfuhrpark.

Erster optischer Eindruck: Wenn so die automobile Zukunft aussieht, haben wir nix dagegen. Hyundai hat sich so richtig was getraut. Das Design des Ioniq 5 wirkt mit seinen großen Flächen und scharfen Schnitten wie aus einem Block gehauen. Ins Auge fallen auch die 20 Zoll-Räder, (Serie sind 19 Zoll), die moderne Lichttechnik im Pixeldesign sowie eine C-Säule, die exakt im 45-Grad-Winkel steht. Einziges Manko: Im Zuge der Entwicklung dürfte der Heckscheibenwischer unter die Räder gekommen sein – gerade im Winter ist das extrem ärgerlich.

Hyundai zeigt mit dem Ioniq 5 plakativ auf, wie man mit einer eigens dafür vorgesehenen Elektro-Plattform die räumlichen und technischen Möglichkeiten eines Autos konsequent ausschöpft.

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Neben der tollen Formgebung beeindruckt vor allem die 800-Volt-Technologie, die von den Koreanern ins bezahlbare Volumensegment transformiert wurde und damit die direkten Konkurrenten aus dem VW Konzern (Audi Q4, Skoda Enyaq und VW ID 4) mit ihrer 400-Volt-Technik ordentlich unter Druck setzt. Denn fast noch wichtiger als eine ordentliche Reichweite ist eine möglichst flotte Ladegeschwindigkeit. Und 800 Volt Bordspannung ermöglicht einfach ultraschnelles Laden und damit auch eine deutlich bessere Alltagstauglichkeit.

Die 800-Volt-Technologie gab es bislang nur in Elektro-Kapazundern wie Porsche Taycan und Audi RS e-tron GT – nur zu astronomischen Preisen. Hyundai bietet sie nun erstmals in einem Volumenmodell zu erschwinglichen Konditionen an.

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Es ist einfach beeindruckend, wie flott sich der Ioniq 5 an der Schnellladesäule seinen Akku vollsaugt. Der Wagen schafft bis zu 220 kW Ladeleistung – im Idealfall pumpt er seinen Akku von 10 auf 80 % in kurzweiligen 18 Minuten auf – da werden selbst die kuscheligen Liegesitze obsolet, die Hyundai gerade für die Überbrückung von Ladezeiten vorgesehen hat.

Unser Testwagen, ein Ioniq 5 Long Range mit 218 PS, Heckantrieb und 72,6 kWh-Akkupack muss ob seiner WLTP-Reichweite von 480 Kilometern außerdem gar nicht so oft an die Ladesäule – sogar während unseres Wintertests schafften wir 350 Kilometer am Stück – ein hervorragender Wert.

Fahrdynamisch gehört der Ioniq 5 eher zu den Komfort-Gleitern. Wildes Anströmen ist mit dem Crossover zwar möglich, nur macht es halt nicht wirklich Spaß. Der Charakter des Autos liegt eher in seiner gemütlichen Souveränität, die unheimlich beruhigend auf den Fahrer und seine Passagiere wirkt. Man schwebt komfortabel dahin und genießt die Stille und die bequemen Sitze.

Irgendwie ertappt man sich dauernd dabei, unbewusst die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit zu unterbieten – Radarstrafen sollten nicht das Problem des Ioniq-Eigners sein.

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Auch der Innenraum des Ioniq 5 sieht nach Zukunft aus. Das Interieur empfängt einen mit hellen freundlichen Farbtönen und sehr bequemen Sitzen, deren Polsterungen teilweise aus nachhaltigen Fasern wie Bio-Zuckerrohr oder recycelter PET-Plastikflaschen hergestellt werden. In den Fußmatten wurden sogar alte Fischernetze aus dem Meeresschutzprojekt Healthy Seas verarbeitet.

Im Mittelpunkt stehen die beiden weiß umrahmten 12,25 Zoll-Displays, die hinter dem Lenkrad wie ein einziger Bildschirm wirken und mit Übersicht und intuitiver Bedienung überzeugen. Was noch auffällt: Das Lenkrad trägt kein Marken-Logo. Dies unterstreicht die Submarke Ioniq im Hause Hyundai.

Dank drei Metern Radstand glänzt der Ioniq 5 mit jeder Mende Raum. Hyundai verabschiedet sich von der klassischen Raumaufteilung und nutzt die Vorteile der eigens entwickelten Electric Global Modular Platform konsequent aus. Der Gangwahlhebel wanderte ans Lenkrad und statt eines Mitteltunnels gibt es nun eine „Multifunktionsinsel“, die sich um 14 Zentimeter nach vorn oder hinten schieben lässt. Das schafft exzellentes Raumgefühl.

Sehr cool fanden wir die Vordersitze mit Beinauflage und Relax-Funktion, die sich elektrisch in eine komfortable Liegeposition bringen lassen. So kann man sich die Wartezeit an der Ladesäule mit einem Power-Nap versüßen. Auch die Rückbank lässt sich um gut 14 Zentimeter elektrisch verschieben. Klappt man sie komplett um, wächst der Kofferraum von 527 Liter auf fast 1600 Liter Volumen. Sehr praktisch und in dieser Klasse nach wie vor nicht üblich, ist der unter der Fronthaube befindliche 57 Liter große “Frunk”.

Fazit

Der Hyundai Ioniq 5 gehört definitiv zu den Newcomern des Jahres 2021. Selten war ein Elektroauto so zu Ende gedacht, wie der Ioniq 5. Das spürt man auf jedem Meter, den man damit zurücklegt. Auch preislich schwächelt Hyundai nicht – in der 170-PS-Einstiegsversion kostet der Ioniq 5 ab EUR 39.990,-. Die getestete 204 PS starke Long Range Top Line Variante mit Heckantrieb und 72,6 kWh Akku kommt vollausgestattet auf EUR.56.990,-.

Daten Hyundai Ioniq 5 Long Range Top Line
Leistung: 218 PS
Drehmoment: 350 Nm
Akku: 72,6 kWh Lithium Ionen
WLTP-Reichweite: 480 km
Test-Reichweite: 350 km
Preis: ab EUR 56.990,-

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