Anders als beim Wrangler mit seinem 4xe Plug-in-Hybrid Antrieb darf der bullige Jeep Gladiator seine Kraft noch analog generieren. Ihn treibt ein waschechter V6-Dieselmotor ohne jegliche elektrischen Allüren an.

Zugegeben, der Markt für Pickups in Europa ist nicht der Größte, dennoch hat es sich Jeep nicht nehmen lassen, ein derartiges Fahrzeug gegen Raptor, L200 und Amarok hierzulande an den Start zu bringen.

Rein vom Auftritt her überflügelt der Gladiator die oben genannten Mitbewerber auf Anhieb. 5,6 Meter Außenlänge und ein Radstand von mächtigen dreieinhalb Metern sind halt eine Ansage. Und dann kommt noch dieser kantige Jeep-Look obendrauf – in unserem Fall noch in “Firecracker Red” höchst auffällig lackiert, als wäre der pure Jeep Gladiator nicht schon aufsehenerregend genug.

Wie bei den rustikalen Jeep-Fahrzeugen á la Wrangler üblich, lässt sich auch der Gladiator nahezu völlig entblättern. Mit etwas handwerklichen Geschick und zwei zusätzlichen helfenden Händen lassen sich mit dem mitgelieferten Werkzeug das Dach und die Türen entfernen, sowie die Windschutzscheibe vorklappen. So darf man zwar dann nicht mehr offiziell auf der Straße fahren aber vielleicht findet sich doch mal die Gelegenheit völlig “nackt” durch abgesperrtes Gebiet zu brettern.

Was auffällt, ist die Tatsache, dass man trotz des riesenhaften Fahrzeugs relativ wenig Platzangebot vorfindet. Der Jeep ist im Fahrgastraum überraschend eng geschnitten. Vorne geht´s noch halbwegs, während es hinten für Größergewachsene schon verdammt knapp wird. Dafür bietet die 153 cm lange und rund 144 cm breite Ladefläche jede Menge Platz fürs Ladegut. Ebenfalls sehr praktisch ist die wasserfeste und vor allem abschließbare Rollabdeckung.

Ein Sahnestück ist der 3,0 Liter-V6-Dieselmotor unter der Haube – er leistet 264 PS. Der mächtige Motor ist ein wahrer Bär – er liefert satte 600 Newtonmeter Drehmoment bereits ab 1.400 und sorgt damit für bullige Souveränität. Was er auch noch kann ist halbwegs sparsam zu sein – unser Testschnitt lag bei respektablen 8,5 Litern Diesel pro hundert Kilometer. Gekoppelt ist der V6 an eine Achtgangautomatik – auch diese passt hervorragend ins Bild. Sie schaltet angenehm flüssig und stets zum richtigen Zeitpunkt.

Dass auch der Jeep Gladiator ein echter Geländewagen ist, braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden. Ein zuschaltbarer Allradantrieb mit diversen Untersetzungen machen den Gladiator “Trailrated” – wie Jeep das mit einer eigenen Plakette an der Flanke stolz präsentiert. Dazu kommt noch eine Wattiefe von 76 cm. Leider kommt man kaum dazu, diese ganzen Fähigkeiten auch legal auszuloten. Man darf allerdings getrost darauf vertrauen, dass auch der Jeep Gladiator überall durchkommt – außer sein Fahrer macht einen Fehler.

Auch auf der Straße schlägt sich der Jeep Gladiator ganz gut. Die Übersicht ist klarerweise hervorragend und meidet man enge Tiefgaragen, hat man dank Rundum-Kamera auch wenige Probleme in der City. Die Geländewagen-typisch eher indirekte Lenkung kompensiert auf der Autobahn der lange Radstand – lange Strecken sind durchaus machbar – hohe Geschwindigkeiten wollen allerdings akustisch verdaut werden – die Windgeräusche werden doch ziemlich herb.

Fazit

Insgesamt ist der Jeep Gladiator ein liebenswürdiges, sympathisches, wenngleich massives Stück Auto. Auch wenn er ziemlich deftig wirkt, sind die Reaktionen der Bevölkerung durchwegs positiv auch lässt es sich im Umgang damit erstaunlich gut leben. Sein größter Nachteil liegt versteckt in der Jeep-Preisliste. 90.620 Euro ohne Extras sind halt doch eine Ansage. Da braucht´s schon viel Herzblut um sein Kreuzerl unter den Kaufvertrag zu setzen.

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