Es gibt sie noch, diese absolut politisch unkorrekten und deswegen umso cooleren Automobile. Der Ford Mustang Mach 1 gehört dazu.

Acht Zylinder, fünf Liter Hubraum, 460 brüllend-verbrennende PS und die absolute Abwesenheit von irgendwelchen elektrischen Antriebseinflüssen machen ihn zum Antichristen der Friday-for-Future-Bewegung.

Wie alles begann: Irgendwann im Jahre 2020 beschließt Ford-Boss Jim Farley den Wünschen der Mustang-Fans nach „Nordschleifen-Kompetenz“ für das Ponycar nachzukommen. Ziel war es, das Auto für eine würdige Runde auf dem Nürburgring fit zu machen – dem normalen GT machten acht Minuten Vollgas thermisch den Garaus. Der dabei entstandene Mach 1 soll dank jeder feiner Menge Technik aus dem Shelby GT 350 das Nordschleifen-Engagement cool absolvieren.

Ziel war nicht der Nürburgring-Streckenrekord, sondern lediglich die Sicherheit, Vollgasfahrten auf deutschen Autobahnen wegzustecken. So nebenbei hat der 267 km/h schnelle Mach 1 damit aber auch noch eine ganz eigene Charakteristik erhalten – das Auto wurde irgendwie „europäischer“. Das liegt zum einen an der Leistungsentfaltung des Motors aber auch am deutlich kurvenfreudigeren Fahrwerk und an der herrlichen Handschaltung.

Der fünf Liter große Achtzylinder im Ford Mustang Mach 1 liebt die resche Drehzahl – nicht, dass er unten raus nichts kann, aber wer das moderne Triebwerk dreht, der erntet ab rund 5.000 Umdrehungen noch einen ordentlichen Zusatzleistungsschub, der erst bei unamerikanischen 7.250 Touren endet. Für Sportfahrer ist dieses Motorenkonzept erste Wahl, Power-Cruiser werden wohl eher zur „gemütlicheren“ GT-Variante des Mustang greifen. Den passenden Sound generiert der Mach 1 übrigens aus beidseitig angebrachten GT-500-Zwillingsfanfaren, diese lassen sich, wie auch im normalen Mustang am Lenkrad den Akustik-Vorlieben des Fahrers anpassen – von bestialisch brüllend bis Nachbarschafts-schonend schnurrend.

Die neue Motor-Charakteristik hat Ford jetzt mit einem überaus agilen Fahrwerk gepaart, welches den Sportwagen stets in der Waage hält und auch beim Einlenkverhalten viel Freude macht. Der Traktion hilft ein gekühltes Hinterachsdifferential auf die Sprünge. Der Mustang Mach 1 ist ein überaus gieriges Kurventier geworden – ohne allerdings ein Quentchen Alltags-Komfort zu vernachlässigen.

Optisch bietet der Mustang Mach 1 auf den ersten Blick nicht viel Neues. An der scharf gezeichneten Front fallen zwei runde Aussparungen im Kühlergrill auf, unser Testwagen glänzte in grellem Orange mit schwarzen Rallye-Streifen auf der Motorhaube – eine Farbkombi, die dem extrovertierten Mustang extrem gut steht. Das Interieur macht ebenfalls einen sportlich-coolen Eindruck. Die Funktionalität ist Ford-typisch super, alle Funktionen gehen weitgehend intuitiv vonstatten. Es gäbe auch noch ein tolles Infotainmentsystem inklusive Subwoofer aber wir geben’s zu, wir hatten es nie in Gebrauch (siehe Auspuffsound).

Das Highlight auf der Mittelkonsole ist natürlich der Schaltknauf im Billiardkugel-Look, den man nicht mehr aus der Hand geben will. Er lässt sich herrlich knochig durch die Schaltgassen bewegen – beim Runterschalten erfreut einem der Mach 1 dann noch mit brüllendem automatisierten Zwischengas. Da schaltet man gerne öfters mal runter, nur um bei höheren Drehzahlen den mächtigen Durchzug sowie den anschwellenden Sound zu genießen.


Fazit

Für Hardcore US-Car-Fans könnte der Mach 1 eine Spur zu europäisch geraten sein – denen sei der normale Mustang GT ans Herz gelegt. Wer allerdings auf die feinere fahr- und motordynamische Klinge bei gleichzeitig brachialem optischen Auftritt abfährt, der erhält mit dem Ford Mustang Mach 1 wahrscheinlich den perfekten Sportwagen, der auch preislich im Rahmen bleibt – zugegeben, 82.400 Euro sind viel Stoff, aber wo bekommt man sonst eine derartig große Portion automobile Klasse geboten? Die Lustbarkeitssteuer in Form von realistischen 13 bis 15 Liter Super auf 100 Kilometern werden Mustang-Fans wohl oder übel verkraften.


Daten Fakten Ford Mustang Mach 1
Motor: V8-Benziner
Hubraum: 5038 ccm 
Leistung: 460 PS
Drehmoment: 529 Nm bei 4900 U/min
0 auf 100 km/h: 4,8 Sek.
Vmax: 267 km/h
Testverbrauch: 13,5 Liter/100 km
Preis: ab 82.400 Euro

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