MG is back. Nachdem der chinesische SAIC-Konzern die Marke vor einigen Jahren übernommen hat, lebt der Geist von MG in SUV Form wieder auf. Wir hatten jetzt die Plug-in-Variante – den EHS – bei uns zu Gast.

Rein optisch hat MG vieles richtig gemacht. Der gut viereinhalb Meter lange Plug-in-Hybrid fällt im Straßenbild nicht gleich auf. MG kopiert zwar nicht, nimmt aber dennoch – sagen wir mal “Anleihen” – bei manchem Mitbewerber. Frei nach dem Motto: Vorne ein bisschen Mazda – hinten Renault und dazwischen ein Hauch Nissan. Nachdem die Originale nicht die hässlichsten sind, kann sich das Ergebnis jedenfalls sehen lassen. Nur muss man halt sagen: Das Ergebnis ist nicht gerade extrovertiert. Wir wurden noch nie so selten auf einen Testwagen angesprochen, wie im Falle des MG EHS. Fällt definitiv nicht auf. Viele Leute werden das lieben.

Es sei denn, der Blick fällt in den Innenraum. Der hat uns nämlich wirklich überrascht. MG kombiniert zwar hauptsächlich Kunststoffe aber das gelingt ihnen sehr gut. Leder ist hier definitiv “vegan” – kein Fehler in heutigen Zeiten. Leider riecht man das auch ein wenig – der strenge Geruch des Plastiks hängt einem permanent in der Nase.

Der MG EHS ist länger und breiter als ein VW Tiguan und nur einen Hauch flacher. Mit anderen Worten, der MG EHS ist kein kleines Auto.

#eslebedasauto

Die obere Hälfte des Armaturenbretts ist gut und dick gepolstert, der Klavierlack sieht nicht billig aus und auch das gebürstete Aluminium verwöhnen optisch und haptisch. Dazu passend die nett anzusehenden turbinenförmigen Luftausströmer. Die vorderen Sitze wirken mit ihren integrierten Kopfstützen sportlich und sorgen auch für guten Halt.

Auch die Fondpassagiere sitzen gut, sie bekommen erstaunlich viel Beinfreiheit geboten. Der Kofferraum bietet 448 Liter Volumen, welches auf 1375 Liter erweitert werden kann. Auch positiv: Die Ladefläche ist nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen eben. Die Heckklappe öffnet und schließt zwar langsam aber dafür elektrisch.

Die Ausstattung unseres Test-MG EHS Luxury ist fast komplett. Unter anderem wird ein schlüsselloses Zugangssystem, ein virtuelles Cockpit sowie eine Smartphone-Integration geboten. Vier etwas pixelig anzeigende aber dafür einzeln ansteuerbare Kameras erlauben die 360-Grad-Umfelderfassung nebst Vogelperspektive und 3-D-Darstellung inklusive Split-View. Das große Ganze wird von Kleinigkeiten ein wenig getrübt: So wurde das Menü des Infotainmentsystems anscheinend per Google-Übersetzer eingedeutscht. Auch wenn es nur ein paar falsche Begriffe am Display sind – das wirkt halt schon ein wenig patschert.

Der MG EHS fährt sich sehr angenehm. Man darf es halt nicht allzu sportlich angehen lassen aber das muss ja in einem Familien-SUV sowieso nicht sein. Im Hybrid-Mode springt der Verbrenner relativ schnell helfend ein. In Tempo-30-Zonen läuft es aber meist problemlos rein elektrisch. Wer in der Stadt rein elektrisch Meter machen möchte, der drückt am besten die EV-Taste in der Mittelkonsole.

Als reine E-Reichweite nennt MG 52 Kilometer, die haben wir nicht erreicht – knapp 40 Kilometer sollten aber schon drinnen sein. Gesegelt wird übrigens nicht – MG setzt im Schiebebetrieb auf Rekuperation. Wie alle anderen Autos seiner Gattung ist auch der MG EHS weit von den WLTP-Traumwerten entfernt. Wir erzielten einen Durchschnittsverbrauch von rund 7,7 Litern – das ist okay und für ein Auto dieser Größe und Leistung angemessen.

Trotz einer Systemleistung von üppigen 258 PS, die sich aus einem 160 PS starken 1,5-Liter-Vierzylinder und einem 90-kW-Elektromotor zusammensetzt, wirkt der Antrieb eher verhalten.

#eslebedasauto

Um die Kraft wirklich zu spüren, bedarf es schon verstärktes Gasgeben. Dann läuft der Verbrenner relativ laut – er wird aber spätestens auf der Autobahn von Windgeräuschen abgelöst. Das schöne am MG EHS ist allerdings, dass man dieses Auto nicht zwanghaft treten muss – das lockere Dahingleiten kann der EHS recht gut.

Und wieviel MG Geist steckt nun wirklich in diesem Auto? Erinnert man sich die alten britischen MGs, fallen einem auf Anhieb drei Attribute ein: Sportlichkeit, Härte und Unzuverlässigkeit.

Sportlich und hart ist der MG EHS schon mal nicht. Und zuverlässig? Bis kurz vor Testende hätten wir lauthals JA geschrien – hätte sich der Testwagen nicht am letzten Tag auf der letzten Fahrt systemtechnisch komplett verabschiedet. Erst als der freundliche ÖAMTC Techniker das Auto sozusagen “rebootet” hatte, ging es weiter. Aber das ist laut Aussage des Pannenhelfers heutzutage auch bei wesentlich teureren Autos oft der Fall.

Fazit:

Für 32.240 Euro (Comfort) bekommt man mit dem MG EHS ein fesches Auto, in dem alles drin und alles dran ist und welches viel Platz bietet. Wenn man eher die gemütliche Gangart bevorzugt und einem das Image seines fahrbaren Untersatzes völlig wurscht ist, dann ist der MG EHS eine klare Empfehlung. Fakt ist, dass sich Hersteller á la Renault oder Nissan ein wenig wärmer anziehen müssen – deren Fahrzeuge sind nämlich keinen Deut besser.

Daten MG EHS Luxury
Motor: 1.5 LIter-4-Zyl.-Turbo-Benziner
Leistung: 162 PS bei 5500 U/min
Max. Drehmoment: 250 Nm bei 1700–4300 U/min
Elektromotor: 122 PS
Drehmoment E-Motor: 230 Nm
Batterie: Lithiumionenbatterie, 16,6 kWh
Systemleistung: 258 PS
Vmax: 190 km/h
0 auf 100 km/h: 6,9 Sek.
Preis: EUR 37.490,-

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