Derzeit gibt es kaum ein zweites Elektroauto, welches soviel Spaß macht, wie der Mini Cooper SE. Leider ist aber der Spaß nur von kurzer Dauer.

Irgendwie ist beim Entwickeln des Mini Cooper SE die Reichweite auf der Strecke geblieben. Da wurden mächtige 184 PS und 270 Newtonmeter Drehmoment in ein Auto mit perfekter Lenkung, sportlichem Fahrwerk und tollen Bremsen implantiert und dann hat es nur mehr für einen 32,6 kWh-Akku gereicht um das Ganze zu befeuern.

Offiziell gibt Mini eine Reichweite von 235 bis 270 Kilometern an – in der Realität kommen aber meistens nicht einmal 180 Kilometer an. Nicht missverstehen, wäre der Mini Cooper SE ein reines Cityfahrzeug, würde das locker reichen, das Problem ist nur, jede Sehne dieses Fahrzeugs schreit: “FAHREN!” und zwar wenn möglich schnelle Kurven.

Grundsätzlich ist es ja kein schlechter Ansatz, den Mini mit der Technik des BMW i3 auszurüsten.

Auch dieser ist ja ein dynamisches Gefährt. Was aber spricht dagegen, die Akkus einfach anstatt der Rücksitzbank – die ja sowieso kaum jemand freiwillig nutzen will – zu platzieren. Da gingen sich dann locker einige Kilowattstunden mehr aus und der Mini würde auch optisch mehr am Asphalt kleben. Die Karosserie des Cooper SE liegt nämlich um 18 Millimeter höher als bei den Verbrennermodellen – die Lithiumionen-Akkus brauchen halt ihren Platz im Fahrzeugboden.

Was dem Mini Cooper SE auf keinem Fall fehlt ist Dynamik.

Von null auf Hundert geht´s in ordentlichen 7,3 Sekunden, dass bei 150 km/h Schluss ist, macht überhaupt nichts, denn bis dahin gibt´s genug Spaß in Form von saftigem Durchzug und den Mini-üblichen Gokart-Qualitäten. Dort wo er aufgrund seiner geringen Reichweite am besten hinpassen würde, in die Stadt, ist der Mini Cooper SE zwar auch unterhaltsam, dennoch gibt es in diesem Metier weitaus talentiertere Elektroautos – auch mit mehr Übersicht und Komfort.

Das tolle Fahrwerk und der niedrige Schwerpunkt verleihen dem Cooper SE eine überaus satte Straßenlage.

Fahrbahnunebenheiten werden durch die Macpherson-Vorderradaufhängung und die Mehrlenker-Hinterachse meistens erfolgreich weggefiltert. Mit zunehmender Geschwindigkeit gewinnt der Cooper SE deutlich an Souveränität – langsames Dahinschlendern über schlechte Straßen mag er nicht so. Die an ein Gokart erinnernde Leichtfüßigkeit ist auch der direkten und super-präzisen Lenkung geschuldet.

Im Sport-Modus spricht der Mini Cooper SE deutlich spontaner auf Pedalbewegungen an; auch die Servolenkung verhärtet sich dann ein wenig. Der Normal-Modus mit dem Namen „Mid“ reicht für die meisten Wege locker aus – er lässt den Mini ebenfalls leichtfüßig wirken, während der „Green“-Modus mit behäbiger Beschleunigung für zusätzliche Kilometer sorgt. Auch muss man sich dann von der Klimatisierung verabschieden.

Der Mini Cooper SE ist ein begnadeter Rekuperierer.

Das regenerative Bremsen lässt sich in zwei Intensitätsstufen einstellen, Standard ist die auch vom BMW i3 bekannte starke Rekuperation, die “One-Pedal-Driving” ermöglicht. Wer sich daran gewöhnt hat, wird wohl kaum mehr neue Bremsbeläge brauchen, so selten benutzt man dabei das Bremspedal. Geht´s sportiver dahin, hat uns die weniger aggressive Rekuperation aber deutlich besser gefallen.

Äußerlich erkennt man den Mini Cooper SE an den gelben Akzenten sowie seinen einzigartig designten 16-Zoll-Alurädern. Wer den Antrieb verschweigen will, kann darauf aber auch verzichten und inkognito elektrisch fahren. Innen gibt es nur wenige Unterschiede zu den konventionell angetriebenen Schwestermodellen, vor allem aber in Form eigenständiger Anzeigen und Skalen. Sehr cool fanden wir das hochauflösende Display hinterm Lenkrad, welches direkt an der Lenksäule befestigt ist und auch auf ein Motorrad gut passen würde.

Unser Fazit
Auch der Mini Cooper SE wird seine Fans finden. Wer allerdings auch die Kurvenqualitäten des kleinen Flitzers ausnutzen will, der wird wohl mit der geringen Reichweite keine echte Freude haben. Deshalb unser Wunsch ans BMW-Christkind: Werft die Rückbank raus, montiert stattdessen einen potenten Akku und platziert den Elektriker mit stärkerem Motor einfach als Mini Cooper SE JCW für echte Elektro-Junkies.

Daten Fakten Mini Cooper SE
Elektromotor: 135 kW / 184 PS
Drehmoment: 270 Nm
Akku: Hochvolt-Lithiumionen, 32,6 kWh
Vmax: 150 km/h (abgeregelt)
0 auf 100 km/h: 7,3 Sek.
Reichweite lt. Hersteller: 235–270 km
Testreichweite: ca. 180 km
Testverbrauch: 16,7 kWh/100 km
Preis: ab 33.600 Euro
Testwagenpreis: 45.324 Euro

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