Wenn der Markt nach etwas verlangt, dann muss gehandelt werden. Und der Markt verlangt schon seit längerem nach SUV. Das bekam jetzt auch der Parade-Van Espace zu spüren.

Streng genommen ist der Espace keiner mehr, sondern er ist zum Renault Austral in verlängerter XL-Ausgabe mutiert. Family-Vans sind out und die Nachfrage nach geräumigen Familientransportern hat bei der Kundschaft schon vor Jahren stark abgenommen.

Auf diesen Wandel hatten die Franzosen schon beim letzten Espace reagiert und ihn 2015 als Crossover präsentiert. Die nun sechste Espace-Generation verabschiedete sich nun komplett vom Van-Konzept. Eigentlich traurig: Selbst die einstigen Gründer des vor 40 Jahren in Europa entstandenen Segments sagen Adieu zum alten Konzept.

Komischerweise ist das üppige Raumangebot der alten Vans zweitrangig. Der Neue basiert auf der CMF-CD-Plattform und ist mit einer Länge von 4,72 Metern im Vergleich zum Vorgänger knapp 14 Zentimeter kürzer (und mit 1.659 Kilogramm sogar auch 215 Kilo leichter).

Optisch ist der neue Espace, dem Austral wie aus dem Gesicht geschnitten. Einzig der auf stattliche 2,74 Meter gestreckte Radstand (plus sieben Zentimeter) sowie die hochgezogene D-Säule inklusive größerer Seitenfenster hinten machen bei der Austral-Langversion den Unterschied. Platz bietet der Espace für bis zu sieben Personen – und das serienmäßig. Man kann aber auch den Fünfsitzer nehmen.

Wer maximales Kofferraumvolumen (von 581 bis 1818 Litern) benötigt, sollte den Fünfsitzer nehmen. Mit maximaler Bestuhlung schrumpft das Gepäckabteil dagegen auf läppische 159 bis 1714 Liter zusammen. Außerdem genügt der Platz beim Siebensitzer in der letzten Reihe allenfalls Kindern oder man faltet sich als Erwachsener auf der Kurzstrecke zusammen. Auch der Ein- und Ausstieg nach ganz hinten erfordert klarerweise ein gewisses Maß an Gelenkigkeit. Aber das ist bei allen Siebensitzern am Markt das Gleiche.


Dafür sitzt es sich vorne super-bequem und dank der um 22 Zentimeter längs verschiebbaren Rückbank herrscht in der mittleren Reihe feudale Bewegungsfreiheit. Der Fahrer blickt auf ein digitales Kombinstrument sowie den markentypisch hochkant stehenden Zwölf-Zoll-Touchscreen des „OpenR Link“-Multimediasystems. Die Bedienung des online basierenden Infotainments erweist sich weitgehend selbsterklärend und die Routenführung via Google Maps ist bekannt zielführend.

Renault hat es vermieden, alles via Touch zu bedienen, so gibt es im Espace noch genügend herkömmliche Schalter, die einem den Alltag erleichtern. Unser Testwagen war üppig ausgestattet – er verfügte über jede Menge Komfortfeatures und Fahrerassistenten. Ebenfalls an Bord war ein vollwertiges Head-up-Display, welches die Infos direkt in die Windschutzscheibe einspielt und ein riesiges Panorama-Glasdach. Dieses lässt sich leider nicht öffnen, bringt aber sehr viel Licht und gute Stimmung in den Innenraum. Als praktisch erwiesen sich zudem die vielen Ablagemöglichkeiten im Renault, die mit einem Stauvolumen von insgesamt 39 Litern für allerhand Kleinkram bereitstehen.

Wir waren im Testzeitraum mit dem Renault Espace Esprit Alpine E-Tech Full Hybrid 200 unterwegs. Dieser verfügt über eine Kombination aus einem kleinen Dreizylinder-Turbobenziner mit 1,2 Litern Hubraum sowie zweier Elektromotoren mit 18 kW (25 PS) und 50 kW (68 PS) – zusammen liefert diese Motorenkombination 199 PS. Wobei dazu gesagt werden muss, dass der kleinere E-Motor als Generator dient und die 1,7 kWh-Batterie im Heck mit Strom versorgt.

In der Stadt fährt der Renault Espace häufig rein elektrisch und dass unter der Motorhaube nur ein kleiner Dreizylinder arbeitet, lässt sich nicht erahnen. Der Renault Espace ist sehr gut gedämmt – auch Wind und Abrollgeräusche sind wirksam gekapselt, so dass sie kaum hörbar sind.

Mit seiner Antriebseinheit ist der Renault Espace keinesfalls untermotorisiert. Er beschleunigt in 8,8 Sekunden auf Hundert und läuft 174 km/h Spitze. Einen Dynamiker zu erwarten, ginge allerdings zu weit – selbst im Sportmodus bleibt der Renault ein komfortabler Cruiser, der mit einem Testverbrauch von rund 6,9 Litern Super auf hohe Effizienz ausgelegt ist.

Super fanden wir die Allradlenkung, die den Espace auf kurvigen Serpentinen spürbar handlicher macht und gleichzeitig den Wendekreis auf Tiefgaragen-taugliche 10,4 Meter reduziert. Die sogenannte „4Control advanced“-Lenkung zählt im Falle unserer Ausstattungsvariante Esprit Alpine zum Serienumfang, Die mit sportlichen Akzenten sowie reichlich Alcantara ausgestattete Version Esprit Alpine startet bei 44.390 Euro.

Daten Fakten Renault Espace Esprit Alpine E-Tech Full Hybrid 200
Antrieb: Dreizylinder-Turbobenziner / 2 E-Motoren (50 kW/18 kW)
Hubraum: 1199 ccm
Systemleistung: 146 kW / 199 PS
Drehmoment: 230 Nm bei 1750 U/min E-Motor: 205 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 174 km/h
0 – 100 km/h: 8,8 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 4,6 Liter
Testverbrauch: 6,9 Liter / 100 km
Basispreis: ab EUR 44.390,-
Testautopreis: EUR 47.690,-

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