Land Rover hebt den Range Rover Sport auf eine neue technische Ebene und wir haben ihn intensiv getestet.

Als eines der ersten Medien in Österreich hatten wir jetzt die Möglichkeit dem nagelneuen Range Rover Sport intensiv auf den Zahn zu fühlen. Nach unserem Zusammentreffen mit dem „großen“ Range Rover im Rahmen eines Presse-Events waren wir klarerweise schon gespannt, wie sich sein dynamisierter Vetter anfühlt. Gleich vorweg: Deutlich anders!

Technisch basiert der neue Sport am neuen Großen, dementsprechend weisen beide drei Meter Radstand auf, auch bei der Breite schenken sie sich mit satten 2,04 Metern nichts. Lediglich die fünf Meter Länge des Großen verfehlt der Sport um zehn Zentimeter und auch die um fünf Zentimeter niedrigere Dachlinie sieht man ihm an. Dies alles bedeutet kurz und knapp: Der Range Rover Sport ist ebenfalls ein mächtiges Trumm Auto.

Das Design des Range Rover Sport ist ebenso massiv. Das Ding wirkt, als wäre es aus einem Alublock gefräst worden. Auf die beim Mitbewerb so beliebten Sicken und Kanten verzichtet der Hersteller weitgehend. Das lässt den Range zwar wuchtig aber überraschend unaggressiv auf der Straße stehen. Wie riesig das Auto wirklich ist, erkennt man erst, wenn man sich die Dimensionsangaben auf den Reifenflanken zu Gemüte führt – 285/40 R23 steht da drauf – selten so riesige Räder auf einem Testwagen gehabt und eins vorweg – sie wirken nicht überdimensioniert und noch wichtiger, sie beeinflussen in keiner Weise das Abrollverhalten negativ.

Steigen wir ein – oder besser auf. Selbst in der niedrigsten Stufe der aufwändigen Luftfederung muss man seinen Hintern etwas hochhieven um in die super-bequemen beheiz- sowie belüftbaren Massage-Ledersitze zu gelangen. Auch der Range Rover Sport wird innen von zwei großen Bildschirmen dominiert, wir kennen sie schon vom großen Range. Die Anzeige auf dem sanft gebogenen Mittel-Screen ist glasklar und überraschend frei von Spiegelung. Ebenso überrascht waren wir davon, dass auch nach längerer Zeit nur wenige Fingertapser auf der Oberfläche sichtbar waren. Zur Sicherheit liegt aber im Range Rover ein Reinigungsset in einem der vielen Handschuhfächer bereit.

Die Bedienung erfolgt ebenso friktionsfrei wie selbsterklärend – aufgrund der vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten sollte man sich halt zur Erstkonfiguration etwas Zeit nehmen oder das gleich bei der Fahrzeugübernahme beim Händler erledigen. Der tägliche Umgang damit ist jedenfalls watscheneinfach, sehr gescheit fanden wir die mehrfach belegten Dreh-drück Regler für Heizung, Sitzheizung-Lüftung und Gebläse und den netten Lautstärkeknopf neben der Fahrdynamik-Regelung auf der Mittelkonsole. Der kleine belederte Automatikhebel liegt perfekt in der Hand und dient auch gleich als Handablage beim Touchen und am Screen.

Das digitale Kombiinstrument vor dem Fahrer wird über das beheizbare Lenkrad bedient, auch da kann man sich allerlei Informationen einblenden – ein vollwertiges, ebenfalls vielfach konfigurierbares Head-Up Display ist ebenso vorhanden. Insgesamt sei gesagt, dass das Interieur des Range Rover Sport dem hohen Premiumanspruch des Fahrzeugs in jedem Bereich voll gerecht wird, egal ob es um Materialgüte, Verarbeitung, Bedienbarkeit oder die digitalen Qualität des Infotainments geht. Da hat Land Rover die deutsche Konkurrenz nicht nur eingeholt, sondern in vielen Bereichen sogar schon übertroffen.

Unter der Haube unseres Range Rover Sport Dynamic HSE P300d Testwagens werkt der mittlere von drei möglichen Dieselmotoren – ein Ingenium 6-Zylinder mit drei Litern Hubraum, Twinturbo-Aufladung und Mildhybrid-Unterstützung. Er liefert geschmeidige 300 PS an alle vier Räder, die Kraftübertragung erfolgt per feiner Achtgang-Automatik von ZF. Das ist alles schnell hingeschrieben – kurz erklärt bedeutet es: Es gibt Kraft in Hülle und Fülle, fein filetierte Kraftanschlüsse und äußerst dezente Akustik. Neben den Plug-in-Hybrid Varianten stellt der P300d sicher die goldene Mitte im Motorenangebot dar.

Selbst kalt gestartet bekommt man nichts von der Arbeitsweise des Twinturbo-Diesel mit – kein Nageln oder Vibrieren, nur verhaltenes Rauschen im Hintergrund. Was aber nicht bedeutet, dass man gar nichts vom Motor mitkriegt. Im Range Rover Sport darf man im Gegensatz zum fast lautlosen großen Range beim Andrücken nämlich noch was vom Bären vorne unter der Haube hören. Steigt man beherzter aufs Gas, erhebt er mächtig grollend seine Stimme und der Range schiebt sich mit Nachdruck aus den Luftfedern um flott Land zu gewinnen. Da drückt es einen dann mit Wucht in die weichen Sitze und man vergisst, dass man in einem doch sehr schweren Auto (Leergewicht 2.390 kg) sitzt – bis man dann die erste Kurve anbremst und einlenkt.

Auch Land Rover kann die Physik nicht abschalten und so ein Range Rover Sport ist halt kein Rennwagen – nicht missverstehen, er lässt sich schon ordentlich durch die Gegend scheuchen, aber seine Stärken liegen doch eher beim schnellen und bequemen Abspulen von weiten Strecken – egal welcher Untergrund anliegt. Und das bringt uns zu einem Zusatznutzen, den halt fast nur Land Rover mit seinen Fahrzeugen bringt: Die schier unglaubliche Geländegängigkeit. Auch der Range Rover Sport kann so richtig offroad. Ein aufwändiger Allradantrieb, eine Vielzahl an Fahrprogrammen, tolle Böschungswinkel oder einfach nur die Wattiefe von 90 Zentimeter sprechen eine klare Sprache. Grenzen setzt hier nur das Gesetz, nicht überall reinfahren zu dürfen und der Mut beziehungsweise das Mitleid des Fahrers mit seinen empfindlichen 23-Zöllern.

Eigentlich war unser Test als Schnee-Aktion geplant – der heurige Winter hat uns da aber in die Suppe gespuckt. Wäre aber wahrscheinliche eh keine richtige Herausforderung für den Range Rover Sport gewesen. So genossen wir dieses Premium-Fahrzeug im „normalen“ Leben, was ja auch kein Beinbruch ist. Und dabei hat er uns noch ein für viele Interessenten sehr wichtiges Asset aufgezeigt: Wer einen BMW, Audi oder Mercedes fährt, ist schnell schubladiert. Als Range Rover Eigner steht man da drüber – dementsprechend positiv ist das Feedback im Leben. Das einzige, was sein Besitz unterstreicht ist der gute und stilsichere Auto-Geschmack des Eigners.

Daten Fakten Range Rover Sport Dynamik HSE P300d

Motor: 6-Zylinder Twinturbo Diesel MHEV
Hubraum: 2.997 ccm
Leistung: 300 PS
Drehmoment: 650 Nm 1.500 – 2.500 U/min
Vmax: 218 km/h
0 – 100 km/h: 6,6 Sekunden
Testverbrauch: 9,5 Liter Diesel / 100 km
Preis: ab EUR 91.429
Testwagenpreis: EUR 147.289,-

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