In einen DS 9 setzt man sich nicht einfach hinein und fährt los. Die französische Premium-Limousine hat es sich verdient, vorher noch ordentlich erkundet zu werden.

Erstens sieht man dieses Auto wahrscheinlich nicht so schnell wieder wo rumstehen. Der DS 9 gehört leider zur aussterbenden Art der Luxuslimousinen und ist noch dazu nicht deutscher Herkunft. Dass sich zwei DS 9 in Österreich zufällig treffen, wird wohl selten passieren. Dabei hätte es sich das kunstsinnige Publikum verdient, dieses Automobil öfters auf der Straße zu erblicken.

Warum das so ist? Der DS 9 E-Tense ist ein bildschönes Auto, voller Details und vor allem mit erfrischenden Ecken und Kanten – freilich nicht im wörtlichen Sinn. Diese Limousine fließt vielmehr über den Asphalt – das liegt am langen Radstand und der zärtlich darüber gegossenen Karosserie. Feine Sicken sorgen dafür, dass dieses herrliche Weiß-Metallic körperlich wird, zahlreiche Details, wie die plan einfahrenden Türgriffe oder die dezenten Positionslichter an den C-Säulen nehmen einem dann beim zweiten Blick so richtig gefangen.

Es sind vor allem die Lichteinheiten, die wie schon bei den anderen DS Modellen unsere Blicke auf sich ziehen. Die LED-Matrix Leuchten vorne erstrahlen nicht bloß, sie rotieren vorher lila glühend einmal um ihre Achse um dann scharf gekachelte Lichtstrahlen auf die Straße zu werfen. Auch die hinteren Leuchten wirken eher wie Kunststücke, ihren Job als tolle Beleuchtung machen sie so nebenbei mit. Ebenfalls auffällig präsentiert sich eine matt glänzende Aluleiste, die die Motorhaube mittig teilt. Diese sieht man auch vom Lenkrad aus, was das Anpeilen von Kurven erleichtert.

Die selbe Show im Innenraum. Eine hochwertige Lederverarbeitung sieht man nicht nur, man riecht und greift sie auch – das Leder-Stitching sucht seinesgleichen. Perlnähte nennt DS diese hohe Kunst. Ebenso wie die Scheinwerfer schlägt auch die noble B.R.M Borduhr einen Salto wenn der Wagen gestartet wird. Gleichzeitig erwacht das Infotainment zum Leben – die Systematik kennen wir schon vom DS 7 Crossback. Die Bedienung erfolgt wie gehabt weitgehend rätselfrei. Ein kleines Manko haben wir trotzdem gefunden: Die Rückfahrkamera scheint noch aus der Nokia-Ära zu stammen, so pixelig ist ihr Bild. Bitte ganz schnell die Optik des DS 4 einbauen.

Obwohl der Wagen schon läuft, hört man nichts. Der DS 9 E-Tense startet stets im Elektromodus und hält diesen – falls vollgeladen – auch gute 50 Kilometer weit. Dieses lautlose Wegschleichen passt einfach hervorragend zum noblen Charakter dieser französischen Limousine. Die Plug-in-Hybrid Motorisierung unseres E-Tense 225 Testwagens hat sich inzwischen zu einer der gängigsten Antriebe im Stellantis-Konzern etabliert. Auch hier macht die Kombi einen tollen Job – zuletzt hatten wir sie im Citroen C5 X im Test.

Im DS 9 E-Tense 225 reist es sich ebenfalls hervorragend – es ist aber gelungen, der großen DS Limousine eine völlig andere Fahrcharakteristik als dem Citroen C5 X zu verleihen. Der DS 9 ist einen Hauch knackiger ausgelegt – dieses sänftenartige Schwingen des C5 X legt er nicht an den Tag – alles ist ein wenig verbindlicher aber dennoch niemals unkomfortabel.

Fazit

Rein atmosphärisch liegt der DS 9 E-Tense 225 über der Konkurrenz aus Deutschland. Preislich deutlich darunter. Ab EUR 55.900 kann man sich wie Emanuel Macron fühlen – falls er nicht gerade in einem DS 7 sitzt. Wie oben schon erwähnt hat es der DS 9 als Limousine am Markt natürlich nicht leicht – die allgegenwärtigen SUV graben diesen eleganten Geschöpfen das Wasser ab. Jedem DS 9 Eigner sollte in diesem Sinne ein Orden für guten Geschmack und die Verschönerung des Straßenbildes verliehen werden.

Daten Fakten DS9 E-Tense 225 Rivoli+

Motor: 4-Zylinder Turbobenziner + E-Motor
Systemleistung: 225 PS
Drehmoment: 320 Nm.
Testverbrauch: 6,1 Liter
Vmax: 240 km/h
0 -100 km/h: 8,3 Sek
Preis ab EUR 55.900,00

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