Wer auf den Hyundai Kona N reflektiert sollte, gute Bandscheiben haben und nicht unbedingt lärmempfindlich sein.

Grundsätzlich ist ja der Kona sowas wie der brave Allrounder im Hyundai-Modellprogramm. Anfänglich mit konventionellen Verbrenner-Motoren ausgestattet wurde das 4,22 Meter lange SUV schnell zum Bestseller. Und auch als Elektriker hat der Kona schnell jede Menge Anhänger gefunden. Das war aber längst nicht alles: Seit 2021 gibt´s die Version N, die sich mit reichlich Power, lustiger Rennsport-Features und sportlichem Look in die Herzen der Petrolheads gespielt hat.

Ob es Sinn macht, ein hochgestelltes SUV in Richtung Sportwagen zu trimmen, sei dahin gestellt aber wir leben nun mal in eigenartigen Zeiten und daher hat auch sowas seine Berechtigung. Jedenfalls sind Power-SUV voll im Trend – egal welche Größe, sie werden gekauft und geliebt.

Der Hyundai Kona N schlägt sich jedenfalls mit Kapazundern vom Schlage eines Mini Countryman JCW, VW T-Roc R oder Cupra Ateca rum. Allesamt mit rund um die 300 PS gesegnet und mit cirka 1.500 Kilo Gewicht auch noch nicht so arg schwer wie die überzüchteten Kollegen der darüber liegende Klasse.

Was den Kona N von seinen Mitbewerbern unterscheidet, ist der fehlende Allradantrieb. Der Hyundai muss seine 280 PS allein über die Vorderräder auf die Straße bringen. Hilfreich zur Seite steht ihm allerdings eine einstellbare elektronische Traktionskontrolle, automatisiertes Torque Vectoring und geregelte Quersperren. Das Ganze funktioniert damit ganz ordentlich, der Physik sind allerdings bei Nässe auch damit gewisse Grenzen gesetzt – bei Regen sollte man jedenfalls etwas sachter mit seinem Gasfuß umgehen.

Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet dabei so schnell und aufmerksam die Gänge rauf und runter, dass man getrost die Finger von den Paddles am Lenkrad lassen kann. Mit Zwischenspurts von 80 auf 120 km/h in knapp dreieinhalb Sekunden werden Beschleunigungsstreifen auf der Autobahn, ebenso wie Überholmanöver auf der Landstraße zum Vergnügen, akustisch untermalt von den per Klappensystem klangoptimierten Fanfaren der zweiflutigen Sportabgasanlage. Aus dem Stand beamt sich der Kona N brüllend in 6,4 Sekunden auf Tempo 100. Wer keine Sekunde liegenlassen will, aktiviert die „Launch Control“, dann wird der Standardsprint sogar in 5,5 Sekunden erledigt.

Generell zeigt der Sportler eine ordentliche Stabilität – vor allem beim Kurvenfahren. Dies liegt an der elektronisch gesteuerten Federung (ECS), welche das Fahrzeug in Kurven effektiv in der Waage hält. Trotz der höheren Sitzposition hat man nie das Gefühl in einem relativ schweren Auto zu sitzen. Die präzise Sportlenkung reagiert feinfühlig auf jede Kurskorrektur und gibt stets Auskunft über die Beschaffenheit des Fahrbahnbelags. Ebenso hilft die elektronisch gesteuerte Differenzialsperre mit variabler Drehmomentverteilung den Hang zum Untersteuern zu minimieren. Die Folge: Trotz des höheren Schwerpunkts ist der Kona N kaum langsamer als sein kompakter Kollege i30 N.

Für den täglichen Umgang mit dem Kona N stehen fünf Fahrmodi zur Verfügung: Eco, Normal, Sport, N und Custom, die den Kona N durch Änderungen an Motorsteuerung, Stabilitätskontrolle (ESC), Auspuffsound und Lenkung nach Lust und Laune verwandeln. Im Custom Mode können weitere individuelle Einstellungen wie zum Beispiel der Lenkung (Normal, Sport, Sport+) vorgenommen und mittels der blauen N-Tasten am Lenkrad gespeichert werden.

Ebenfalls am Lenkrad findet man einen weiteren interessanten Knopf mit der Aufschrift NGS. Drückt man da drauf, entfesselt man den Kona N komplett. Dann wird 20 Sekunden lang die volle Power abgerufen – am Kombiinstrument sieht man dann anhand eines Countdowns, wie lange der Spaß noch dauert. Lustig für den Fahrer – die Hölle für magenempfindliche Beifahrer.

Empfindliche Naturen sollten auch auf den Einsatz des N-Modes eher verzichten. Dann wird der Hyundai hart – nämlich wirklich hart – und auch der Sound erreicht erkleckliche Spitzen. Vor allem, wenn man vom Gas geht, spielt es hinten Granada. Der Kona N darf nämlich auch außen echt laut sein – er gaukelt seinem Fahrer keine künstlichen Sounds aus der Stereoanlage vor.

Rein optisch erkennt man den N zwar sofort, Hyundai ist es aber gelungen, das Ganze nicht ausufern zu lassen. Wer die richtige Farbe wählt, wird im Regelfall nicht als N entlarvt. Ins Auge fallen lediglich die dezenten roten Linien an Stoßfänger, Seitenschweller und Heck und die beiden armdicken Endrohre sowie der Spoiler an der Dachkante. Weitere N-Insignien sind das spezielle Kühlergrilldesign inklusive N-Badge, Markenlogo und den drei geschlossen Luftschlitzen, die in Wagenfarbe lackierten Radläufe, in denen sich 19-Zoll-Schmiederäder mit roten Bremssätteln befinden sowie die dreieckige Bremsleuchte hinten.

Das Interieur gibt sich eher konventionell. Allein die hellblauen N-Tasten am Lenkrad für die individuellen Fahrmodi, der rote NGS-Knopf und die Stoff-Leder-Sitze sorgen für Sport-Ambiente. Serienmäßig sind das 10,25 große, digitale Kombiinstrument mit vielfältigen Displayanzeigen und der gleich große Infotainment-Touchscreen verbaut.

46.390 Euro ruft Hyundai für den Power-Kona auf. Darin enthalten ist eine nahezu komplette Ausstattung. Zumindest damit fährt er den erwähnten Allrad-Konkurrenten allesamt um die Ohren.

Daten Fakten: Hyundai Kona N
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benziner
Hubraum: 1998 ccm
Leistung: 280 PS
Drehmoment: 392 Nm
Vmax: 240 km/h
0 auf 100 km/h: 6,4 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 8,5 Liter
Preis: ab EUR 46.390,-

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