Das Kunststück, einen Kleintransporter in Richtung Premium zu manövrieren, zeigt uns Mercedes Benz mit der T-Klasse.

Der technische Bruder des Renault Kangoo avanciert dadurch zum neuen Einsteigermodell in die Pkw-Welt der Marke Mercedes Benz. Ein Stern am Kühlergrill alleine ist da definitiv nicht genug – Mercedes muss ordentlich in die Trickkiste greifen um aus der praktischen aber eher einfach gestrickten Basis einen echten Mercedes zu machen.

Das Grund-Layout liegt auf der Hand – Hochdachkombi nennt sich diese Art von Fahrzeugen. Viele Hersteller haben sie im Programm – das Angebot reicht vom Opel Combo über den Peugeot Rifter, bis zum VW Caddy. Dazwischen wuseln noch Ford Tourneo, Citroen Berlingo und eben der Renault Kangoo durch die Gegend. Den meisten merkt man die Herkunft aus der Professional-Ecke an – wenige verleugnen diese gekonnt – Caddy und Rifter seien hier als Ausnahmen genannt. Mercedes Benz setzt schon seit längerer Zeit auf den Kangoo als Gen-Spender.

Das Grund-Layout der T-Klasse, wie die Ausstattung, die Technik sowie die Motoren unterscheiden sich nicht groß vom Renault Kangoo oder der gewerblichen Variante Citan. Wie diesen treiben auch die T-Klasse je zwei Benziner (102 und 131 PS) und Diesel (95 und 116 PS) an. Wir hatten jetzt den stärkeren der beiden Selbstzünder, den T 180 d bei uns zu Gast.

Mit dieser Motorisierung ist der kleine Mercedes-Van flott und komfortabel unterwegs. Der Motor läuft angenehm laufruhig, ganz verhehlen kann er aber seine Arbeitsweise nicht. Auch in Sachen Antritt und Beschleunigung ist der Dieselmotor mit seinen 270 Newtonmeter ganz gut unterwegs. Nach einer Mini-Gedenksekunde legt der T 180 d ordentlich los – bei Bedarf liefert er via Overboost eine Extra-Portion Leistung und Durchzugskraft – ideal für schnelle Überholmanöver.

Auch das Fahrwerk hat Mercedes auf Komfort getrimmt, es schluckt sanft Querfugen und Unebenheiten im Asphalt und lässt den großen Wagen laufruhig dahin gleiten. Dabei merkt man in keiner Weise, dass man eigentlich in einem Hochdachkombi unterwegs ist. Allein bei schnelleren Richtungswechsel merkt man den hohen Aufbau. Die fein abgestimmte Lenkung ermöglicht ein präzises Handling und auch einfaches Rangieren auf engstem Raum, ebenso wie gute Richtungsstabilität auf der Autobahn. Die 7-Gang-Automatik fügt sich perfekt ins positive Bild – sie ist eine echte Kaufempfehlung.

In Form und Funktion unterscheidet sich die T-Klasse klarerweise nicht von der gewerblichen Citan-Variante. Der Fünfsitzer ist ebenso 4,50 Meter lang, 1,86 Meter breit, 1,81 Meter hoch und bietet mit seinem 2,72 Meter messenden Radstand jede Menge Platz für Kind, Kegel und deren Gepäck. Selbst voll besetzt passt in den 520 Liter großen Kofferraum noch jede Menge rein. Wird die Rücksitzbank umgeklappt, werden bis zu maximal 2127 Liter Fassungsvermögen geboten.

Als Abgrenzung zum Citan trägt die T-Klasse serienmäßig einen verchromten Kühlergrill sowie Außenspiegel, Türgriffe, Frontstoßfänger und Radläufe in Wagenfarbe. Einstiegsleisten mit Mercedes-Benz-Schriftzug heben den Premium-Charakter der Marke zusätzlich hervor. Zwei Schiebetüren sorgen hinten für Komfort beim Einsteigen. Den Kofferraum öffnet man über eine Heckklappe.

Beim Interieur punktet die T-Klasse voll. Auf den ersten Blick blickt man auf vertraute Mercedes-Pkw-Optik. Das Multifunktionslenkrad mit seinen Wischflächen und Scrolltasten findet man so auch in der C-Klasse. Dazu die runden Lüftungsdüsen, Tasten, Schalter und Drehregler und das MBUX-Infotainment. Leider hat die T-Klasse nur den kleinen 7-Zoll-Touchscreen des Citan geerbt. Ein größeres Display würde den Premium-Charakter der T-Klasse um einiges heben. Was die Materialauswahl aber in vollem Umfang tut – die Verarbeitung ist große Klasse und auch haptisch gefallen die Schalter und Flächen vollumfänglich.

Auch die Ausstattung unsere Testwagens kann sich sehen lassen. Lichtstarke LED-Leuchten vorne und hinten sowie eine allumfassende Sicherheitsausrüstung von der vollen Airbag-Kollektion (7 Stück) über den Seitenwind-Assistent, den Müdigkeitswarner, einen aktiven Bremsassistent mit Kreuzungsfunktion bis zum Totwinkel-Assistent – alles ist da und noch viel mehr. Eine volle Aufzählung würde den Rahmen sprengen.

Und wurde aus dem Familien- und Freizeitfrachter nun ein „Premium-Van“?

Ja, zumindest ist Mercedes Benz ziemlich nah dran. Den Kangoo bemerkt man jedenfalls in keinster Weise und der Stern vorne am Kühlergrill ist voll gerechtfertigt. Preislich bewegt man sich noch im halbwegs erträglichen Rahmen – gut 35.000 Euro sollte man allerdings einplanen.

Daten Fakten Mercedes Benz T 180 d Progressive
Motor: 4-Zylinder Turbodiesel
Hubraum: 1461 ccm
Leistung: 116 PS
Drehmoment: 270 Nm / 1750 Umin
Testverbrauch: 5,8 Liter
Preis: ab EUR 28.000

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You May Also Like

Hallo Dienstmann!

Angesichts des guten Preis-Leistungs-Verhältnis und der gebotenen Qualitäten des BYD Dolphin wundert uns die Entscheidung der österreichischen Beschaffungsagentur nicht.

Peugeots Rezept gegen Stau

Wir haben uns mit dem Tweet 200 und dem Pulsion 125 zwei Scooter aus dem Peugeot Motorroller Programm für einen Test organisiert.

Antuscher

Beim Ford Transit Custom Trail haben wir es mit massivem “Overstatement” zu tun. Er macht auf Offroad, kann aber eigentlich nur Onroad.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Ein Auto ist dann etwas Besonderes, wenn man die Haustüre aufmacht und es stehen wildfremde Leute rundherum und machen Fotos davon. So geschehen beim DS 4.