Lange hat´s gedauert, bis VW endlich den komplett neuen Multivan auf die Straße gestellt hat. Auf den T6 folgte T6.1, dann lange nichts mehr – und jetzt endlich T7. Nur in echt kaufen ist eine andere Geschichte.

Im November 2021 sollte er auf die Straße kommen, doch dann gab´s die Corona-Krise, die Chip-Krise, die Ukraine-Krise und so weiter… die Folgen sind bekannt, nämlich unter anderem gesteigerte Wartezeiten auf Neuwägen. Das fällt dann am meisten auf, wenn man mit einem VW T7 Mulitvan herumfährt und gefühlt von jedem Dritten angesprochen wird, ob man den Wagen nicht auf der Stelle verkaufen will.

Der neue Multivan wird von seiner Fan-Gemeinde mit großer Spannung erwartet.

Optisch ist schon mal kein Stein auf dem anderen geblieben. Der VW T7 ist nicht mehr mit seinem Vorgänger vergleichbar. Das gesamte Fahrzeug hat an Höhe eingebüßt und wirkt jetzt feingeschliffen und höchst elegant. Die Front hat jetzt das aktuelle VW-G’schau und beim Heck hat Volkswagen wirklich alles umgedreht. Als solcher ist der neue Multivan von hinten nicht mehr auf Anhieb zu erkennen, sieht aber auch gut aus.

Der Fahrer sitzt jetzt etwas tiefer als bisher, seinen Ellbogen platziert er auf einem breiten, gepolsterten Fenstersims. Am Lenkrad empfängt einem höchst luftiges Raumgefühl. Das Cockpit ist extrem aufgeräumt, das Armaturenbrett glatt und flächig. Da spielt eindeutig das Design von Golf und Co. mit. Demensprechend wird auch hier geslidert und getoucht – wenn man sich noch nicht daran gewöhnt hat, dann tut man es spätestens hier. Wenigstens hat das Lenkrad noch haptische gut greifbare Schalter – die ergonomisch heiklen Slider findet man hier noch nicht. Dahinter befinden sich das VW-übliche konfigurierbare Kombiinstrument. Fakt ist, dass im T7 keinerlei Lieferwagen-Flair mehr mitschwingt.

Das Platzangebot ist nach wie vor toll. Die Sitze sind leichter geworden – das erkennt man sogar an deren nun schlankeren Aussehen – das Handling damit hat definitiv gewonnen. Schiebetüren gibt´s nach wie vor, sie können ebenso, wie die große Heckklappe optional auch elektrisch betrieben werden. Unser Testwagen hatte zwischen den Sitzen noch eine verschiebbare Konsole, in der sich ein Klapptisch verbarg. Diese kann auf Knopfdruck hochgefahren werden, braucht man sie nicht bleibt sie kompakt zwischen den Sitzen platziert.


Wir hatten das aktuelle Spitzenmodell, den 1,4-l-e-Hybrid, dessen Verbrennungsmotor auf 150 Benziner-PS kommt und im Verbund mit dem E-Motor eine Systemleistung von 218 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment aufstellt bei uns im Test. Angetrieben werden dabei die Vorderräder, ein Allradantrieb folgt. Der Lithium-Ionen Akku des e-Hybrid fasst 10,4 kWh und reicht laut VW für 46 bis 50 Kilometer rein elektrische Fahrt. Geladen wird er an der Haushaltssteckdose in rund fünf Stunden. Mit an Bord ist immer ein DSG, hier hat es sechs Gänge und es wurde speziell für den e-Hybrid entwickelt. Der Schalthebel ist komplett verschwunden – die Fahrstufen werden jetzt mittels Wippe gewählt.


Der T7 e-Hybrid startet wie die meisten seiner Art lautlos. Der Antrieb teilt nur über die Signalleuchten seine Einsatzbereitschaft mit. Die 115 PS starke E-Maschine treibt den Multivan schon alleine ordentlich an. Innerstädtisch wird der T7 e-Hybrid beim Ampelstart zum Headliner, überland geht dem E-Motor klarerweise aber schnell die Puste aus – ca. 80 km/h sind so rein elektrisch drinnen. Im Verein mit dem Verbrenner schafft er eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h Spitze.

Was der T7 e-Hybrid besonders gut kann ist die Fähigkeit, weitgehend lautlos dahin zu schleichen. Wie bei Elektroautos üblich, gibt er bei langsamer Fahrt surrende Geräusche von sich um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn es zügiger wird, schlägt sich der gute Federungskomfort dann etwas zu Lasten der Fahrstabilität nieder. Zwar gibt´s in der Kurve keine nennenswerte Probleme, doch die Karosserieneigung ist deutlich spürbar.

Was uns in unserem Intensivtest am meisten überrascht hat, war der Verbrauch des T7 e-Hybrid.

Wie es sich für ein Fahrzeug dieser Art gehört, sind wir natürlich vollbepackt auf Reisen gegangen – sprich fünf Personen plus Gepäck für den Winterurlaub. Bislang waren wir mit dieselbetriebenen T6 Testwagen unterwegs und dementsprechend neugierig waren wir auf den Durchschnittsverbrauch auf der Langstrecke. Die Überraschung war perfekt als nach unserer Reise nach Tirol und retour ein Wert von lediglich 4,8 Liter Super am Display aufschien. Das ist schon richtig großes Kino. Anzumerken wäre lediglich, dass unser Fahrstil äußerst familientauglich war – also immer im Rahmen des Gesetzes.

Und auch sonst war die Fahrt ein Genuss: Neben der sanften Abstimmung gefallen die zupackenden Bremsen und vor allem die für ein Auto dieser Art super-präzise Lenkung. Die Sitzposition des Fahrers ist jetzt eher die einer Limousine, ohne aber die tolle Übersicht eines Busses aufgeben zu müssen. Und auch die Passagiere im Fond reisen mit höchstem Komfort. Das modulare Sitzkonzept erlaubt dabei unterschiedlichste Konfigurationen. Über das Schienensystem im Wagenboden lassen sich die äußeren Sessel sogar beheizen. Zum luftigen Interieur passt auch das 1,8 Quadratmeter große Panorama-Glasdach.

Fazit

Auch der VW T7 ist ein echter Multivan geblieben. Zum fein geschliffenen Design passt auch vorzüglich der e-Hybrid Motor, der den Bus super-leise und überraschend sparsam macht. Wie auch beim Vorgänger sollte man keine Geldprobleme haben, wenn man in die Richtung T7 tendiert – unser top ausgestatteter Multivan stand mit satten 75.000 Euro in der Liste.

Daten Fakten VW T7 Multivan e-Hybrid
Motor: R4-Benziner Turbo
Hubraum: 1395 ccm,
Plug-in-Hybrid, E-Motor: 86 kW
Systemleistung: 216 PS
Systemdrehmoment: 350 Nm bei 1000–4100 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
0 auf 100 km/h: 11,6 Sek.
Test-Durchschnittsverbrauch: 4,8 Liter
Basispreis: 51.650 Euro

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