VW hat den Tiguan neu aufgelegt und beim NCAP-Crashtest gleich fünf Sterne eingeheimst. Wir sind damit gefahren.

Über sieben Millionen hat VW bislang vom Tiguan verkauft. An dieser Zahl sieht man, wie wichtig dieses Modell für Volkswagen ist. Dass das auch mit der nächsten Generation so weiter geht, ist für den VW-Konzern immens wichtig. Da sind keine Fehler oder Experimente erlaubt. Die Zeichen stehen nach wie vor gut und vieles spricht für die Prolongation des Erfolgs, wie zum Beispiel die scheinbar nicht enden wollende SUV-Welle, die quer durch den Automobilmarkt schwappt, zeigt.

Das bewährte Grundlayout blieb unangetastet.

Wie schon bei Tiguan I und II sorgt klarerweise auch Nummer III dank hoher Sitzposition für Übersicht und komfortables Ein- und Ausstiegen. Wie bei Auto-Relaunches üblich, ist auch beim neuen Tiguan der Platz auf der Rückbank gewachsen, auch der Kofferraum weist jetzt stattliche 652 Liter auf. Gut viereinhalb Meter Außenlänge machen aus dem VW das ideale Familiengefährt, auch wenn Reisegepäck mit muss.

Die Front trägt jetzt deutliche ID-Züge. Wir wurden während der Testphase nicht nur einmal darauf angesprochen, ob der Wagen vollelektrisch betrieben wird. Vor allem die LED-Matrix-Scheinwerfer welche mit einer LED-Leiste miteinander verbunden sind, lassen ein E-Mobil vermuten. Als R-Line ist der Tiguan, wie schon bisher auch, etwas sportiver gezeichnet. Die Seitenlinie wird von 20-Zoll-Felgen dominiert – sehr gelungen fanden wir den sanften Hüftknick über den hinteren Rädern. Das Heck wiederum ist typisch SUV – auch hier zieht sich die Leuchteinheit über die gesamte Breite.

Innen hat sich jede Menge getan. Bildschirme beherrschen die Szenerie.

Der Armaturenträger wird von zwei Screens dominiert. Das digitale Cockpit hinterm Lenkrad ist 10,25 Zoll groß, der Bildschirm in der Mitte je nach Ausstattung 12,9 oder 15 Zoll. Zusätzlich versorgt ein Head-up-Display den Fahrer mit den wichtigsten Informationen. Bei der Bedienung hat VW sozusagen einen Schritt zurück in die Zukunft getan. Oftmals kritisierte Punkte wurden ausgebessert (Es gibt wieder echte Lenkradtasten!) und auch die generelle Bedienung des sehr umfangreichen Infotainment-Systems (MIB 4) geht weitgehend intuitiv nach nur kurzer Eingewöhnungszeit von der Hand.

Den leidigen Pflicht-Geschwindigkeitswarner gibt´s natürlich auch im Tiguan, er lässt sich jedoch mit zwei Fingertapsern am Display schnell deaktivieren. Oder man dreht einfach die tolle Audio-Anlage lauter und übertönt das leidige Gepiepse mittels Lieblingsmusik. Dies gelingt auf drei Arten: Am Lenkrad über haptische Tasten, mit dem üblichen Slider unterm Display oder über den neuen Drehdrück-Knopf zwischen den Sitzen, mit dem man eben die Lautstärke, die Fahrmodi sowie das Cockpit-Ambiente einstellen kann.

VW bietet den Tiguan mit sechs Antriebsvarianten an. Neben Plug-in-Hybriden (PHEV) beherrschen nach wie vor reine Verbrenner die Szene. In unserem Fall ein moderner TDI mit 150 PS und Vorderrad-Antrieb. Da jubeln natürlich die Langstreckenfahrer, Pferdebesitzer oder Wohnwagen-Urlauber unter uns. Die magischen 1.000 Kilometer Reichweite haben wir in unserem Praxistest übrigens wirklich geschafft, da mussten wir nicht einmal recht verhalten fahren.

Was neu beim Tiguan ist: Es gibt keine Handschaltung mehr.

Der Wahlhebel für das tadellos schaltenden 7-Gang-DSG befindet sich jetzt nicht mehr auf der Mittelkonsole sondern rechts hinterm Lenkrad. Ein Vorteil davon ist der aufgeräumte Platz zwischen den Sitzen. Nachteilig fanden wir den nun etwas überfrachteten Hebel links hinterm Lenkrad, der für so ziemlich alles zuständig ist – vom Scheibenwischer bis zur Lichthupe (Mercedes lässt grüßen).

Und wie fährt sich der neue VW Tiguan?

Ganz einfach: Wie der alte! Auch die Generation III ist vorrangig auf Komfort gebürstet. Nur die fetten 20-Zöller der R-Line Ausstattung rollen etwas hölzern ab – wer schön sein will, muss halt leiden oder eben kleinere Räder wählen. Fahrdynamisch liefert das SUV perfekt ab und auch der kleine TDI ist für die meisten Aufgaben völlig ausreichend – wer mehr Spaß haben möchte oder auch hin und wieder mal was hinten dranhängen will, der greift aber besser zum stärkeren Diesel – dann auch mit Allrad.

Unterm Strich

Nach wie vor ist der VW Tiguan sowas wie der Golf unter den SUV. Er kann alles recht gut, streift optisch nicht an und liefert einfach gekonnte Mobilität für die ganze Familie. Klar, dass er mit diesen Eigenschaften nicht unbedingt ein Headturner sein kann – dennoch waren wir überrascht, wie viele (vor allem Tiguan-Besitzer) mit uns ins Gespräch gekommen sind. Die Reaktionen waren größten Teils positiv – also dürfte VW alles richtig gemacht haben.

Daten Fakten VW Tiguan TDI R-Line
Motor: 4-Zylinder Turbodiesel
Hubraum: 1968 ccm
Leistung: 150 PS
Testverbrauch: 5,8 Liter Diesel/100 km
Vmax: 207 km/h
Preis: ab EUR 47.990,-

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