Man muss nicht zwangsläufig nach München tendieren, wenn man eine sportliche Limousine sucht. Alfa Romeo paart mit seiner Giulia ebenso tolle Sportlichkeit mit Eleganz und ganz viel italienischer Leidenschaft.

Wobei, leiden muss man als Fahrer einer Giulia schon lange nicht mehr. Unser Alfa Romeo Giulia Veloce 2,0 Q4 Testwagen punktet ebenso mit toller Qualität wie mit ausgefeilter Technik. Die Veloce-Variante geht dabei verstärkt in Richtung Dynamik. Ganz in „Rosso Alfa“ gehüllt gefällt die elegante Italienerin mit traditionell gestylten 19-Zoll Felgen, dezenter Tieferlegung und dem markentypisch vorne seitlich montierten Kennzeichen. Am Aufreizendsten wirkt der Alfa, wenn man ihn von schräg hinten betrachtet. Das Heck ist einfach ein Ausbund an Amore – prall, knackig und mit zwei fetten Auspuffrohren, die den dezenten Diffusor flankieren.

Wir steigen ein und uns bleibt die Luft weg.

Die Alfa Pressestelle hat doch tatsächlich knallrote Ledersportsitze in unseren Testwagen konfiguriert. Das sieht… TOLL aus – und wenn man ehrlich ist, kann sich auch wirklich nur Alfa Romeo solche knallroten Sitze in einem knallroten Auto leisten, ohne dabei peinlich zu wirken. Ausnahmen gibt´s höchstens im Supersportwagensegment a la Ferrari, die dürfen das auch. Auch toll: Die Sitze sehen nicht nur traumhaft aus, sie passen auch wie angegossen – zumindest, wenn der eigene Body-Mass-Index halbwegs im Rahmen ist.

Das Cockpit selbst ist … erfrischend markentypisch.

Man blickt auf (analoge) Rundinstrumente – das Infotainment wird über ein 8,8 Zoll Touch-Display abgewickelt. Wichtige Funktionen sind ausgelagert und werden über analoge Tasten und Schalter abgehandelt. Sitzposition, Ergonomie und Usability passen hervorragend – überhaupt, wenn man des öfteren mit anderen „modernen“ Bediensystemen in meist elektrifizierten Autos „gekämpft“ hat.

Sehr gut hat uns auch das Sportlenkrad gefallen – es ist nicht zu dick und nicht zu dünn gepolstert, genau richtig im Durchmesser und mit Startknopf versehen. Dahinter befinden sich massive Metall-Paddels für die Automatik – diese sind fix an der Lenksäule befestigt, drehen sich also nicht mit. Viele kritisieren sie aufgrund ihrer Größe – wir haben das als sehr cool empfunden. Platztechnisch gibt’s auch keine Klagen, natürlich ist so ein Alfa Romeo kein Minivan aber unterm Strich finden vier Leute inklusive Gepäck ausreichend Platz.

Alfa übertreibt´s nicht und führt die feine Klinge.

Unsere getestete Giulia treibt die Sportlichkeit trotz ihrer 280 PS nicht auf die Spitze oder gar ins Peinliche. Nicht missverstehen, es gibt stets mehr wie genug Power, nur verzichtet Alfa auf effektheischende Dinge, wie künstlichen Sound samt Auspuffgesprotze oder sonstiges Gepöbel. Neue Dämmmaterialien sowie modifizierte Radaufhängungen und Motorlager verringern die Abrollgeräusche der Räder und Vibrationen.

Der Alfa braucht sich dynamisch nichts zu beweisen – er liefert im Dynamic-Modus spritzigen Fahrspaß – die dabei produzierte Soundkulisse drängt sich nicht auf – anders als bei der Konkurrenz darf auch die Umgebung den Sound genießen – pubertäres Gepolter oder Ärger mit den Nachbarn beim morgendlichen Kaltstart gibt´s allerdings keinen.

Fahrdynamisch das selbe Bild. In der Giulia braucht sich keiner Sorgen um seine Bandscheiben machen.

Die Limousine rollt geschmeidig ab – bleibt aber dennoch im sportiven Bereich. Kurven werden dank exakter Lenkung und Allradantrieb locker geschnupft und wenn es fahrbahntechnisch ruppig wird, nimmt die toll abgestimmte Federung den gröbsten Schlaglöchern ihre Spitzen. Der 280 PS starke Zweiliter-Vierzylinder fügt sich harmonisch ins flotte Treiben ein – er hängt super am Gas und gefällt mit ordentlicher Drehfreude bei dennoch feistem Drehmoment schon bei niedrigen Touren. Seine sportlichen Talente entschädigen dann auch für die oft leicht erhöhten Verbrauchszahlen, die man beim flotten Angasen erntet. Unser Testschnitt lag bei rund 9,3 Litern Super im gemischten Betrieb.

Alfa Romeo schickt die Giulia seit rund einem Jahr mit deutlich aufgewerteter Ausstattung und neuen Assistenzsystemen ins Rennen.

So beherrscht sie nun auch das automatisierte Fahren nach Level 2, welches den Fahrer zwar nicht aus der Verantwortung entlässt, ihn aber doch umfangreich unterstützt. Ein aktiver Spurhalte-Assistent hält den Wagen stets in Fahrbahnmitte, die aktive Cruise Control hält konstant den korrekten Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen und passt das eigene Tempo außerdem mit Hilfe der Verkehrszeichenerkennung an die aktuellen Tempolimits an. Ein Stau- und Autobahnassistent verzögert den Alfa bei stockendem Verkehr bis zum Stillstand und lässt ihn dann wieder anfahren. Dies alles ist höchst löblich und funktioniert auch klaglos – echte Alfisti werden wohl hin und wieder darauf verzichten und ihre Giulia mit gekonnter Hand ohne zusätzliche Helferlein durch die Gegend dirigieren. Auch dann bleibt das Auto stets locker beherrschbar – selbst bei verschärfter Gangart.

Fazit

Die Giulia Veloce 2.0 280 Q4 AT8 von Alfa Romeo verströmt Eleganz und Sportlichkeit aus jeder Pore. Wer auf Limousinen mit tollem italienischen Design, jede Menge Hightech und tolle Qualität abfährt, der sollte sich diese Italienerin näher anschauen.

Daten Alfa Romeo Giulia Veloce 2,0 16V 280 Q4 AT8
Motor: 4-Zylinder Turbo
Hubraum: 1995 ccm
Leistung: 280 PS
Drehmoment: 400 Nm / 2250 U/min
0-100 km/h: 5,2 Sekunden
Vmax: 240 km/h
Testverbrauch: 9,3 Liter Super
Preis: ab EUR 68.300,-

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