SUV, Allrad, Diesel – diese drei Zutaten waren früher immer Garanten für ein erfolgreiches Automobil. Und das hat sich nur bedingt geändert. 

Auch der Tiguan Allspace trägt seit einiger Zeit das neue VW-Gesicht. Das Grundlayout blieb weitgehend dasselbe, wenngleich sich technisch einiges getan hat. VW optimierte das SUV in allen denkbaren Bereichen. Wenn es finster wird, fällt einem zum Beispiel das grandiose IQ Light auf – dessen neueste Evolutionsstufe besitzt eine Matrix aus 24 LED pro Scheinwerfer, welche individuelle Lichtfunktionen auf die Straße projizieren können. Da wird die Nacht zum Tag – ein echter Sicherheitsgewinn. 

Ebenfalls optimiert zeigt sich die aktuelle Generation der automatischen Distanzregelung „ACC“, sie berücksichtigt vorausschauend auch lokale Geschwindigkeitshinweise, Ortseinfahrten, Kreuzungen oder Kreisverkehre. Dazu bindet das Assistenzsystem die Signale der Frontkamera sowie die GPS- und Kartendaten des Navigationssystems in die Regelung mit ein. Das Umfeld-Beobachtungssystem „Front Assist“ wurden ebenfalls verbessert, es reagiert nun besser auf Personen, die in unübersichtlichen Situationen im Begriff sind, die Fahrbahn zu überqueren. Die neueste Generation des Spurhalteassistenten „Lane Assist“ erkennt nun die Fahrspur und Spurbegrenzungen tadellos. Insgesamt fällt auf, dass man um einiges weniger die Lust verspürt, die Systeme gleich vor Antritt der Fahrt zu deaktivieren, wie es in den Vorgängermodellen noch der Fall war. 

Neben diversen Hybrid- und TSI-Modellen hält VW eisern am Selbstzünder fest. Warum ein moderner Diesel so wahnsinnig schlecht sein soll, versteht ja sowieso kaum jemand. Im VW Tiguan Allspace arbeiten jedenfalls Selbstzünder der neuesten Generation. Wir hatten die 200-PS-Version mit zwei nacheinander angeordneten SCR-Katalysatoren mit einer jeweils separaten AdBlue-Einspritzung – VW nennt das Twindosing – im Einsatz. SCR-Kat Nummer Eins ist nah am Motor angeordnet. Dadurch erreicht er bereits kurz nach dem Start seine Betriebstemperatur. SCR-Katalysator Nummer Zwei befindet sich im Unterboden. Durch den größeren Abstand zum Motor sind die Abgase dort bis zu 100 Grad Celsius kühler. Dieser Kat arbeitet deshalb besonders gut bei starker Last, etwa bei schneller Fahrt. 

Das Ergebnis lässt sich sehen und kaum hören. Der 200 PS starke TDI agiert kraftvoll und lebendig, bleibt dabei aber immer akustisch im Hintergrund. Auch das Zusammenspiel mit dem Doppelkupplungsgetriebe funktioniert ohne Fehl und Tadel – die aus früheren Modellen bekannte Anfahrschwäche ist Geschichte. Das Getriebe hält die Drehzahl immer im optimalen Bereich und somit auch den Verbrauch tief. Wir erreichten einen Durchschnitt von rund 5,3 Liter pro hundert Kilometer. 

Der VW Tiguan Allspace lässt sich herrlich entspannt bewegen – da spielt auch die komfortbetonte Fahrwerksabstimmung voll mit. Dennoch wird die Fuhre nie schwammig oder aufgrund übertriebener Aufbaubewegungen schaukelig. In der stärksten Diesel-Variante ist auch stets ein 4Motion-Allradantrieb mit an Bord, der vor allem auf glatter Fahrbahn seine Stärken ausspielt – Gelände mag der Tiguan nur bedingt, da fehlt die Bodenfreiheit und auch die dafür notwendige Allrad-Technik. 

Innen fühlt man sich wohl. Das liegt vor allem am feinen Raumangebot – im Allspace hat man fast schon Minivan-ähnliche Ausmaße und Variabilität. Der Sitzkomfort ist auf allen Plätzen erstklassig. Auch die Qualitätsanmutung ist super – die Materialen greifen sich zumindest an den offensichtlichen Stellen weich und hochwertig an. Leider hat VW die Bediensteuerung, wie auch in vielen anderen Modellen etwas verschlimmbessert. Vor allem die Touchflächen am Lenkrad sorgen für unpräzise und auch teils ungewollte Bedienung. In dieselbe Kerbe schlägt die Steuerung der serienmäßigen Drei-Zonen-Klimaautomatik: Auch hier muss via Touchflächen und Slider bedient werden –  Drehreglern oder Tasten würden hier sicher bessere Ergebnisse bei der Usability erzielen.

Fazit

Auch in der neuen Generation bleibt sich der VW Tiguan Allspace treu. Er legt genau diesen unaufgeregten Auftritt aufs Parkett, den seine Anhänger so lieben. Außerdem hat ihm VW die meisten seiner schon bisher wenigen Schwächen ausgetrieben. Der Diesel-Antrieb passt nach wie vor voll ins Konzept, wenngleich man wahrscheinlich auch mit dem schwächeren 150 PS TDI sein Auslangen findet – den gibt es dann auch mit Vorderrad-Antrieb und somit deutlich günstiger. Unser VW Tiguan Allspace R-Line TDI 4Motion DSG-Testwagen kostete mit zahlreichen Extras EUR 65.187,04 – er startet bei EUR 57.176,68 in der VW-Preisliste.

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